Tulpenzwiebel

© NÖ Museum Betriebs GmbH, Foto: Florian Müller

Wir kennen die Immobilien-Blase, die Social-Media-Blase. Aber wussten Sie, dass einer der ersten Börsen-Crashes einen pflanzlichen Ursprung hatte? Dies ist die unglaubliche aber wahre Geschichte der Tulpenzwiebel, wie sie in der aktuellen Sonderausstellung „GARTEN – Lust. Last. Leidenschaft“ blumig inszeniert ein Thema ist. Ein spannendes Kapitel aus der Kulturgeschichte des Gartens.

Vier Ochsen für einen Zwiebel

Sind Sie schon einmal durch den wunderschönen Renaissancegarten der Schallaburg spaziert? Die heute nur in Rekonstruktion vorhandene Gartenanlage zeugt dennoch bis heute von der Bedeutung der Schlossanlage mit ihren charakteristischen Terrakotten-Arkaden. Und der Renaissancegarten der Schallaburg wird in damaligen Korrespondenzen auch als Referenz geführt: „Sie wollen einen Garten? Wie wäre es mit so etwas?“ Versetzen Sie sich zurück in eine Zeit, in der exotische, als aller Welt angekarrte Pflanzen in ihr Beet so sorgsam wie die Objekte einer Ausstellung in ihre Vitrine gesetzt wurden, weil sie auf ihrer Grund ihrer weiten Reise auch keinen unbeträchtlichen finanziellen Werten darstellten. Der Orangeriegärtner von Schloss Hof hatte seine Dienstwohnung direkt neben den Pflanzen. Ging etwas bei der Beheizung des Gebäudes schief, war der finanzielle Schaden groß. Diese Zeit war übrigens auch die Geburtsstunde der Blumentöpfe: Viele der importierten Pflanzenraritäten waren nicht winterfest und mussten in der kalten Jahreszeit ins Haus. Besuchen Sie übrigens auch einmal die Zitrustage in Schönbrunn: Sie werden staunen, welche uralten Zitronensorten es gibt.

Macht und Pracht

Ein gepflegter Garten mit möglichst ausgefallenen Pflanzen war für einen Herrscher ein Statussymbol. Für dieses Must Have brauchte es aber auch das richtige Personal. Carolus Clusius (1526-1609) war so einer. Ab 1593 war er Präfekt des Hortus Botanicus in Leiden und unterrichtete auf der dortigen Universität als Professor. Seine guten Kontakte in ganz Europa kamen ihm genauso zu Pass wie sein unglaubliches botanisches Wissen. Maximilian II. bestellte ihn schließlich auch nach Wien, um einen medizinischen Kräutergarten anzulegen. Der Name Carolus Clusius ist unmittelbar mit der Verbreitung der Tulpe in unseren Breitengraden verbunden, die ursprünglich aus Persien und der Türkei stammt. Und Dank Carolus Clusius wurde Holland zur neuen Heimat der Tulpen.

Realer und virtueller Handel

Von diesem Objekt Privilegierter wurde die Tulpenzwiebel im 16. Jahrhundert zu einem kommerziellen Handelsobjekt. Für bestimmte Sorten stiegen die Preise der Tulpenzwiebel dabei so stark, dass auf diese Weise eine richtige Tulpenmanie entstand. Tulpenzwiebeln waren so beliebt, dass nicht mehr nur mit real existierenden Knollen gehandelt wurde, sondern sogar mit den Rechten daran. Noch in der Erde und noch nicht einmal er-wachsen waren sie schon Gegenstand von Spekulationen und Handel. Immer mehr neue Sorten beflügelten zusätzlich den Markt. Die Sehnsucht nach schnellem Geld war so groß, dass erstmals auch weniger vermögende Menschen am Handel teilnahmen.

Unermesslicher Wert

Im Jahr 1637 wurden schließlich für drei Zwiebel der Sorte „Semper Augustus“ 30.000 Gulden geboten, bei einem Jahresdurchschnittsgehalt in den Niederlanden von 150 Gulden. Auch eine Zwiebel der Sorte „Viceroy“ erzielte unglaubliche Preise: 120 Scheffel Weizen, 240 Scheffel Roggen, vier Ochsen, acht fette Schweine, zwölf Schafe, zwei Oxhofte Wein, vier Fuder Bier, zwei Fässer Butter, 1.000 Pfund Käse, ein Bett, ein Anzug oder einen silbernen Becher. Schön und gut, das Ding mit Angebot und Nachfrage, aber das konnte nicht ewig gut gehen. Im Februar 1637 brach der Markt abrupt ein. Die ersten Spekulanten sprangen ab und lösten eine Verkaufswelle aus. Die Kurse fielen ins Bodenlose. Aus Millionären wurden Bettler. Die holländische Regierung hatte alle Hände voll zu tun, die Staatskrise wieder in den Griff zu bekommen.

Krankhaft schön

Besonders begehrt waren Tulpen mit verschiedenfärbigen Blättern. Damals war aber die Ursache für das originelle Muster der Blüten nicht bekannt. So spekulierte man mit Zwiebeln in der Hoffnung aber ohne Gewissheit, dass die entstehenden Tulpen tatsächlich eine gesprenkelte Blütenpracht haben würden. Heute weiß man, dass die Ursache für diese Mutation das Tulpenmosaikvirus ist. Das von den Blattläusen übertragene Virus sorgt für helle Sprenkel oder Schlieren in der Grundfärbung der Tulpe. Nur wenn der Virus an die Tochterzwiebel übertragen wurde, waren die Blüten also mehrfärbig.
Heutzutage können Sie vollkommen gefahrenlos Prinz Eugen spielen. Besorgen Sie sich rechtzeitig – etwa vor dem Sommer, wenn sie ausgegraben werden, aber jedenfalls im Herbst - die Tulpenzwiebel zum Einsetzen noch vor dem Winter, um im Frühling die erste Blütenpracht zu genießen.

Text: Florian Müller

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