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Care-Paket

CARE-Pakete stehen für grenzenlose Hilfsbereitschaft – damals wie heute!

Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag – aus diesem Anlass erinnert sich CARE-Paket-Empfängerin Sonnhild Cakl aus Linz, wie ihrer Familie vor über 70 Jahren geholfen wurde.

„Ich bin 1941 geboren und meine Mutter flüchtete mit meinem Bruder
und mir 1945 nach Wien. Mein Vater starb im Krieg. Aufgenommen wurden
wir im 3. Wiener Gemeindebezirk. Damals wurden Flüchtlinge Menschen
zugewiesen, die sie aufnehmen mussten. Das hing von der Größe der Wohnung
und der Anzahl der dort wohnenden Personen ab. Die Frau, die uns aufgenommen
hatte, war alleinstehend und hat uns herzlich aufgenommen. Wir sind
zu einer Familie geworden. Ein CARE-Paket haben wir in unserer Wiener Zeit,
irgendwann zwischen 1946 und 1951, bekommen. Am besten kann ich mich
an die Trockenmilch und das Dosenfleisch erinnern. Die Trockenmilch habe
ich am liebsten gelöffelt und gar nicht als Milch aufgelöst getrunken. An
den Geschmack erinnere ich mich noch heute. Mein Bruder erinnert sich an
die Trockenerbsen. Und meine Mutter hat Jeans bekommen. Das weiß
ich noch ganz genau, weil das war damals sehr ungewöhnlich: eine Frau,
die Hosen trägt.“

als Kind und 2016

Bild: Sonnhild Cakl, damals mit 9 Jahren und 2016.

 

CARE und das CARE-Paket

Care-Paket

Vom ersten CARE-Büro in Wien zur weltweiten Hilfe
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges, am 27. November 1945, wurde die Hilfsorganisation CARE gegründet. Das erste CARE-Büro in Österreich befand sich in der Strudlhofgasse in Wien, das Hauptlager am Schottenring. Wien war bis 1958 CARE-Hauptquartier für Europa. Eintausend Pakete wurden täglich an die österreichische Bevölkerung verteilt. In Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Rankweil, Leibnitz und Leoben wurden weitere Lagerhäuser für Pakete eingerichtet.

Nach dem Kriegsende waren Not und Elend in Österreich und ganz Europa groß. Die Menschen hungerten. Ernteausfälle und extreme harte Winter erschwerten die Situation. Seit über 70 Jahren ist das CARE-Paket weltweit im Einsatz. Damals kam die Hilfe in Form von Paketen, die mit Fleisch, Speck, Margarine, Schweineschmalz, Zucker, pulverisierte Eier, Vollmilch- und Kakao-Pulver und vieles mehr gefüllt waren. Heute arbeitet CARE auf der ganzen Welt, um Leben zu retten, Armut zu besiegen und soziale Gerechtigkeit zu erreichen. Bei Naturkatastrophen wie z.B. Erdbeben, Überschwemmungen oder Wirbelstürmen heißt es schnell und effizient Nothilfe leisten und in erster Linie Leben retten. Menschen die innerhalb von Sekunden oft alles verlieren, müssen dann schnell mit einer sicheren Unterkunft, Essen und Medizin versorgt werden. Nach großen Katastrophen bleibt CARE meist jahrelang in der betroffenen Region, um beim Wiederaufbau zu helfen. Bei allen Projekten verfolgt CARE damals wie heute als oberstes Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe!

Die ersten CARE-Pakete kamen am 19. Juli 1946 am Wiener Franz Josephs Bahnhof an. Sie waren befüllt mit Lebensmitteln, so genannten Ten-in-One-Rationen aus Restbeständen der US-Armee. Auch Kaugummi und Zigaretten für den Soldaten an der Front durften da nicht fehlen. Der Energiewert eines solchen Ten-in-One-Pakets betrug 40.000 Kilokalorien und konnte einen Soldaten zehn Tage oder zehn Soldaten einen Tag lang versorgen. Diese großen CARE-Pakete waren ursprünglich für Soldaten im Einsatz in Übersee geplant, wurden dann aber nicht gebraucht und, nachdem in Europa nach dem 2. Weltkrieg große Hungersnot herrschte, waren die ersten CARE-Pakete eben jene, die eigentlich für Soldaten im Einsatz gedacht waren. Auf diese folgten dann unterschiedlich große und verschieden befüllte CARE-Pakete – je nachdem, von wem und für wen diese Hilfsgeschenke gedacht waren. Eine Million CARE-Pakete wurden in ganz Österreich verteilt. In ganz Europa waren es 100 Millionen.

Aus der spontanen Aktion entstand eine der größten privaten Hilfsorganisationen. Heute ist CARE weltweit in 93 Ländern im Einsatz. Jährlich profitieren rund 65 Millionen Menschen von CARE-Projekten.

Viele Österreicherinnen und Österreicher erinnern sich noch heute, wie es war, als ihre Familie ein CARE-Paket bekam. Damals waren sie Kinder.

Zeitzeugen aus Niederösterreich erzählen (Auszüge aus der „Kirche bunt“, Ausgabe 29/2016)

Hans Kopitz (76 Jahre) aus Herzogenburg: „Ich kann mich an die Pakete gut erinnern, denn nach dem Krieg hat es fast nichts gegeben. Ich war drei, vier Jahre alt. Da war Kakao dabei, so etwas kannte ich nicht. Das war was ganz Besonderes. Das war wie Weihnachten. Oft denke ich mir, dass man das heute gar nicht mehr zu schätzen weiß, dass man in einem Land leben darf, in dem Frieden herrscht und in dem es genug zu essen gibt.“

Auch Adolf Mimler aus St. Pölten erinnert sich: „Ich war damals elf oder auch zwölf Jahre alt und da war ein Zahnpflegemittel drin, keine Zahncreme sondern ein Zahnpulver. Das war etwas Außergewöhnliches.“

Leo Uiberlacker (78) aus Mauerbach besitzt noch Tagesrationsdosen für Tee und Kaffee aus einem dieser ersten CARE-Pakete. Es sind wertvolle, persönliche Andenken an seine Kindheit.

Leo UiblackerBild: 2016 besuchte CARE-Paket Empfänger Leo Uiberlacker mit seinen persönlichen Erinnerungsstücken aus einem der ersten CARE-Pakete das CARE-Büro in Wien. © CARE

CARE-Paket-Empfängerinnen und Empfänger aus anderen Bundesländern:

Bruno Schoßmann (79) aus Wien erzählt: „Meine Mutter sagte immer, dass wir ohne CARE-Pakete verhungert wären. Einmal war sogar Spielzeug drinnen, ein Ball mit einem Gesichterl drauf. Die CARE-Pakete haben unglaublich viel Freude bereitet. Darum spende ich auch heute an CARE.“

„Der Hunger ist immer da gewesen nach dem Krieg. Wir haben auch Gras zu essen probiert“, berichtet Frau Gertraude Hubatsch (80) aus Wien.

Frau Lotte Sekoranja (88) aus Ansfelden erinnert sich vor allem an die gute Schokolade aus dem CARE-Paket: „Ich habe mir später, als ich selber verdiente, lange nur Cadbury-Schokolade gekauft. Das Besondere an unserem Paket war auch, dass es von dem berühmten Schauspieler Paul Henreid kam“. Paul Henreid hat den Victor Laszlo im Hollywood-Klassiker Casablanca gespielt.

Lotte Sekoranja (Bild Mitte) mit ihren Eltern
Bild: Lotte Sekoranja (Mitte) als Kind mit ihren Eltern.

Notiz Paul Henreid

Bild: CARE-Notiz von Paul Henreid an die Eltern von Frau Lotte Sekoranja


„Es war ein sehr kalter Winter 1945/46. Heizmaterial gab es kaum.
Darum hatten wir nur einmal in der Woche Schule. Daheim war es genauso
kalt, das Fensterglas war durch die Bomben zerborsten. Strom und Gas gab
es nur stundenweise. Ich war damals knapp elf Jahre alt. Weil ich tuberkulosegefährdet
war, bekam ich CARE-Pakete. Ein CARE-Paket zu bekommen war
fast wie Weihnachten – natürlich Weihnachten früher, als es noch eine
Bescherung gegeben hatte. Aber Nahrungsmittel waren ohnedies die wunderbarsten
Geschenke! Mit Kakao! So etwas hatten wir schon ewig nicht gehabt.
Ich war glücklich und stolz, ein so herrliches Paket bekommen zu haben. Ich
hoffe, dass CARE-Pakete heute Kindern weltweit ebensolche Freude bereiten
wie uns damals.“, so Christa Chorherr aus Wien

„Wir waren sieben Kinder und lebten in Linz. Mein Bruder und mein Vater kamen nicht mehr aus dem Krieg heim. Ich sehe heute noch meine von Schmerz gebeutelte Mutter vor mir. Wir waren sechs Mädchen, also ohne männliches Wesen, das uns hätte versorgen können. Daher ging unsere Mutter waschen und putzen, damit wir nicht verhungerten. Wie schön war es da, als ein CARE-Paket eintraf. Da gab es plötzlich Schokolade, Trockenmilch und gelben Butterkäse. Schön aufteilen, hieß es da! Einmal, ich war sieben Jahre alt, war ich alleine daheim und schlich mich verstohlen in den Keller, wo dieses Wunderpaket aufbewahrt war. Ich setzte mich auf den Kokshaufen und hackte mit einem Messer Trockenmilch herunter und aß bis mir schlecht wurde. Natürlich bekam ich große Schimpfe, aber was tut man nicht alles, wenn man Hunger hat. Wie schön, dass wir heute in der Lage sind Flüchtlingen helfen zu können!“, erzählt Brunhilde Nussbaumer aus Traun, Oberösterreich.

als Kind und 2016

Bilder: Brunhilde Nussbaumer als Baby am Arm ihrer Mutter und heute, aufgenommen 2015.

Nach 1947 war der Inhalte der CARE-Pakete stärker auf den Bedarf von zivilen Familien abgestimmt. Der Inhalt variierte: Rindfleisch in Kraftsuppe, Fleisch, Leberwurst, Corned Beef, Speck, Margarine, Schweineschmalz, Obstkonserven, Rosinen, Schokolade, Zucker, Kakao, Eipulver und Trockenmilch, Kaffee, Hefe und Seife. Es gab auch Pakete mit Decken, Werkzeug, Schulsachen und spezielle Pakete für Babys und Kinder.

„Nach dem Krieg fanden meine Eltern und ich am Dachboden eines Bauernhauses Unterschlupf, den wir uns notdürftig hergerichtet haben. Die CARE-Pakete waren für uns Kinder eine riesige Freude. Die warmen Socken, die Zahnpasta, die Erdnussbutter und vieles mehr waren in den sehr harten Wintern im Oberpinzgau eine große Hilfe. Das werde ich nie vergessen“, erinnert sich Helga Winkler-Berger aus Salzburg.

Helga Winkler mit KindernBild: Helga Winkler-Berger mit ca. 6 Jahren (Mitte) am Bauernhof in Oberpinzgau.

„Das Ausräumen des unansehnlich wirkenden Pappkartons gestaltete sich als ein Freudenfest für Mama, meinen Bruder und mich. Freilich waren es nicht alleine die 40.000 Kalorien hochwertiger Lebensmittel, die der ansonsten leeren Küchenkredenz plötzlich einen Sinn gaben. In dem Paket schien jeder freie Zwischenraum mit Kleinigkeiten, die gar nicht so sehr vor dem Verhungern schützen sollten, sondern einfach nur Freude bereiteten, ausgenutzt worden zu sein. Da steckten Kaugummipakete und Brausepulversackerl zwischen Corned-Beef und Gries und in einem anderen Zwischenraum Aspirin oder Obstzuckerl und dann tauchten wieder Lollies oder eine Tube Zahnpasta oder irgendwelche Vitamintabletten auf, oder Lebertrankapseln, die mir das Schlucken des Löffels Lebertran ersparten. Auch immer wieder einige Packerl Zigaretten, für die wir zwar keine Verwendung hatten, die man aber wieder ganz gut gegen etwas Nahrhaftes eintauschen konnte. Es ist mir nicht möglich zu sagen, ob dieses Paket das einzige war, das wir erhielten oder ob noch weitere folgten. Die Freude von damals ist kaum zu beschreiben: Nicht nur wegen der so dringend benötigten Lebensmittel und der Kleinigkeiten, die so viel Freude und Spaß machten, sondern wegen dem Erkennen, dass da draußen irgendwo in der Welt Menschen sind, die für dich da sind und die dir helfen“, so Fritz Vesely aus Wien.

als Kind und 2016
Bilder: Fritz Vesely (Mitte) war fünfeinhalb Jahre alt, als das CARE-Paket die Not seiner Familie linderte.

Haben auch Sie oder jemand Ihrer Familie Erinnerungen an das CARE-Paket? Bitte kontaktieren Sie uns und erzählen uns Ihre Geschichte.
Kontakt: Mag.a Eva Draxler, MAS

Ein historisches CARE-Paket im Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich im Cluster 9.

www.care.at
https://www.care.at/ueber-care/das-care-paket/
https://www.flickr.com/photos/careoesterreich/sets/72157627988953276/
70 Jahre CARE-Gedenkjahr: https://www.care.at/news/70jahre/
Filmaufnahmen CARE-Paket-Empfängerinnen und –Empfänger:
https://www.youtube.com/playlist?list=PL3dp-weZZOpl9KElPqTl7ut25Ap4Gy9FE

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