Museum zu Gast: Das Geschichtliche Museum der Stadt St. Valentin – Enns-Donauwinkel
Zwischen Enns und Donau, an der Grenze zwischen Nieder- und Oberösterreich, liegt die kleine Stadt St. Valentin, deren Name den meisten Menschen vom Vorbeifahren bekannt ist. Der wichtige Verkehrsknotenpunkt befindet sich exakt zwischen Wien und Salzburg.Bekannt ist die rund 10.000 Einwohner:innen zählende Stadt St. Valentin aber nicht nur für seine Bedeutung als Bahnknotenpunkt, sondern auch für sein Museum, das seit Jahrzehnten mit außergewöhnlichen Ausstellungen von sich reden macht.
Bereits im Jahr 1906 wurde im Gasthaus Wallner am Hauptplatz Nr. 5 der Verschönerungsverein St. Valentin gegründet, der sich in den ersten Jahrzehnten um die üblichen Aufgaben eines „Verschönerungsvereins“ kümmerte: Bepflanzung von Parkanlagen und Alleen, Aufstellen von Ruhebänken, Pflanzung der Schubert-Linde (1928) usw.
1964 richtete der Verein in drei Kellerräumen der Volksschule – dem ehemaligen Luftschutzkeller – am Hauptplatz ein „Heimatmuseum“ ein. Aus den verschiedensten Bereichen wurden Exponate zusammengetragen, und die Sammlung wuchs stetig, bis der Wunsch nach einem größeren Museum laut wurde. Die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten entpuppte sich als schwieriges Unterfangen und dauerte bis zum Beginn der 1990er-Jahre. Interessanterweise wurde genau in jenem großen Vierkanter am St. Valentiner Hauptplatz der ideale Platz für ein neues Museum gefunden, in dem einst auch die Gründung des Vereins stattgefunden hatte.
Am 6. Juni 1993 erfolgte die feierliche Eröffnung des neuen Museums, das den Namen „Geschichtliches Museum der Stadt St. Valentin – Enns-Donauwinkel“ erhielt. Im Volksmund hat sich jedoch die Bezeichnung „Valentinmuseum“ durchgesetzt, weshalb dieses Synonym mittlerweile auch immer öfter offiziell verwendet wird. Die Museumsarbeit stand und steht unter dem Leitmotiv:
„Keine Zukunft ohne Vergangenheit“
Das Museum mit seinen rund 1000 Quadratmetern setzt sich aus verschiedenen Abteilungen zusammen. Eine besonders große Rolle spielt dabei das Handwerk, wo neben vielen Tischler- und Binderwerkzeugen eine große Schusterwerkstatt eingerichtet ist. Ausgestellt sind auch viele bäuerliche Geräte und verschiedenste Werkzeuge, von der kleinen Mostpresse bis hin zu Hilfsmittel für die Flachsbearbeitung, von der Bienenzucht bis hin zum Brotbacken und Krauthacheln, vom Butterfass bis hin zum Essigbluzer. In einer weiteren Abteilung des Valentinmuseums ist ein großer Kaufmannsladen eingerichtet, der aus einer „Greißlerei“ (= Gemischtwarenhandlung) am Hauptplatz stammt.
Die Eisenbahnabteilung des Museums ist natürlich besonders bedeutungsvoll, ist doch die Entwicklung von St. Valentin eng mit der Geschichte der Eisenbahn verbunden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die drei bedeutenden Bahnlinien – die Westbahn, die Rudolfsbahn und die Donauuferbahn – ausgebaut und machten St. Valentin zu einem wichtigen Bahnknotenpunkt. Viele interessante Exponate zu diesem Thema können im Museum besichtigt werden, wie zum Beispiel eine kleine Schrankenanlage und das riesige Stellwerk Nr. 1 vom Bahnhof St. Valentin. Eindrucksvoll ist auch das aus Zündhölzern gebaute Modell des Bahnhofes von St. Valentin, das zeigt, wie dieser in den 1970er-Jahren ausgesehen hat.
In einer weiteren Abteilung kann man in die Welt der Technik eintauchen: Eindrucksvolle Exponate demonstrieren die Entwicklungen von der Platten- bis hin zur Digitalfotografie, vom Grammophon bis zum Transistorradio, von der Schreibmaschine zum iMac und vom Koffertelefon bis zum iPhone.
Eine ganz besondere Abteilung präsentiert die Werkschau der Wiener Kunstkeramik- und Porzellanmanufaktur Keramos, die im 10. Wiener Gemeindebezirk bis 1982 rund 3.000 verschiedene Modelle nach Entwürfen von 61 österreichischen Bildhauern produzierte. Zu den Künstler:innen gehörten u.a. Rudolf Podany, Anton Klieber, Eduard Klablena, Franz Barwig der Ältere und der Jüngere, Josef Lorenzl und Stephan Dakon, die beiden hatten auch für Goldscheider gearbeitet, und Ina Eisenbeisser. Der Betrieb war um 1924 durch den Zusammenschluss zweier Firmen entstanden: der Ende 1919 gegründeten Firma Keramos – Invalidengesellschaft für Wiener Kunstkeramik und der 1920 gegründeten Keramos – Wiener Kunstkeramik und Porzellanmanufaktur, zu deren Gesellschaftern u.a. Josef Hoffmann gehörte. Ab 1932 produzierte man auch nach Entwürfen der in diesem Jahr aufgelösten Wiener Werkstätte. Die Firma Keramos war durch Jahrzehnte eine Institution in Bezug auf Keramik und hatte lange Jahre eine Verkaufsstelle in der Wiener Hofburg. Ihre Produkte wurden in die ganze Welt exportiert. Neben Tierfiguren und den ab Mitte der 1950er-Jahre produzierten Wandmasken werden hier in der Ausstellung Tänzerinnen, Kinderfiguren, Madonnenstatuen und -büsten sowie Gebrauchskeramik, wie Geschirr, Vasen, Dosen, Lampenfüße, Kerzenhalter oder Blumentöpfe gezeigt.
Neben der ständigen Ausstellung des Museums wird jährlich eine große Sonderausstellung zu einem bestimmten Thema zusammengestellt, wie derzeit die Ausstellung „1955 … Staatsvertrag, Petticoat & Nierentisch“, die noch bis 8. November 2026 besichtigt werden kann. Zwei Musikveranstaltungen mit Livebands ergänzen jeweils das Jahresprogramm, so etwa die Black Night jeweils am 31. Oktober, die heuer schon das 16. Mal stattfindet. Infos dazu finden Sie auf der Homepage des Museums unter valentinmuseum.at.
Autorin: Uta M. Matschiner
Kontakt:
Geschichtliches Museum der Stadt St. Valentin
Hauptplatz 5, 4300 St. Valentin
Telefon: +43 7435 58660
E-Mail: office@valentinmuseum.at
Homepage: https://valentinmuseum.at/museum
Öffnungszeiten:
Dienstag und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr
An Sonntagen von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr
Literatur zum Museum und seinen Beständen:
Uta M. Matschiner (Hg.in), Geschichtliches Museum der Stadt St. Valentin Enns-Donauwinkl, St. Valentin 2013.
Dies., Keramos: Wiener Kunstkeramik und Porzellanmanufaktur, St. Valentin 2010.
Sammlungsbestände abrufbar hier.
