Stadt + Land = 40
Eine Ausstellung in zwölf Stationen
40 Jahre nach der Wahl St. Pöltens zur Landeshauptstadt untersuchen das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich und das Stadtmuseum St. Pölten gemeinsam, wie sich Stadt und Land seitdem verändert haben. Die Ausstellung führt an zehn zentrale Orte in der Stadt, Start- und Endpunkt bilden die beiden Museen.
Jede Station stellt einen wichtigen Bereich des Lebens in der Region in den Mittelpunkt. Zeitgenössische Bilder veranschaulichen den Wandel in Stadt und Land:
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Das Stadtmuseum St. Pölten blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. Ursprünglich im Rathaus untergebracht, fand es nach mehrmaligen Umzügen 1976 seinen heutigen Standort im Karmeliterhof. Es beherbergt eine archäologische und stadtgeschichtliche Sammlung sowie eine Jugendstil-Abteilung. Im Erdgeschoß des Museums beginnt die Ausstellung „Stadt + Land = 40“. Hier wird der Fokus auf die Entstehung des neuen Regierungsviertels am Traisenufer in den 1990er-Jahren gerichtet.
Nähere Informationen finden Sie unter: https://www.stadtmuseum-stp.at/veranstaltungen/stadt-land-40/
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Auf ein Achterl?
Gemeinsam mit dem Dom- und dem Herrenplatz bildet der Rathausplatz das lebendige Zentrum der Stadt. Er ist mit 6.600 Quadratmetern Fläche der größte Platz St. Pöltens. Mit seinen Gastronomiebetrieben, dem Open-Air-Kino und vielfältigen Veranstaltungen lädt er zum Genuss von Kultur und Kulinarik ein.
Leben in der Stadt
Bereits im Mittelalter ist der Rathausplatz als „Breiter Markt“ belegt, doch seine Geschichte reicht viel weiter zurück. Im Zuge der Errichtung einer Tiefgarage brachten archäologische Ausgrabungen ein Händler- und Handwerkerviertel aus römischer Zeit zutage. Das Rathaus entwickelte sich über Jahrhunderte. Im 16. Jahrhundert erhielt es seine heutige Form, 1727 durch Joseph Munggenast seine barocke Fassade. Barock ist auch die Dreifaltigkeitssäule, um die herum vor 1990 noch Autos parkten. Mit der Neugestaltung des Platzes durch Boris Podrecca wurde 1996 ein autofreier Stadtraum mit viel Platz für Feste, Konzerte und Sportevents geschaffen. Das Landestheater und das Open- Air-Kino ziehen Theaterbegeisterte wie Filmfans an. Dank mehr als 180 gastronomischen Betrieben ist St. Pölten auch kulinarisch bestens versorgt.
Erneuerung im Land
St. Pölten war nach Klagenfurt die zweite Stadt Österreichs, in der eine Fußgängerzone eingerichtet wurde. Schon 1961 setzte man damit einen Schritt hin zu einem lebendigeren Stadtzentrum und einer verbesserten Lebensqualität im öffentlichen Raum. Heute verfügen 25 Städte in Niederösterreich über solche Bereiche, die Fußgängerinnen und Fußgängern vorbehalten sind.
Auch in Sachen Stadt- und Dorfentwicklung hat sich viel getan: Seit 1985 wurden in Niederösterreich 740 Dorf- und Stadterneuerungsvereine gegründet, in denen sich rund 30.000 Personen ehrenamtlich engagieren. In Zeiten von Geschäftesterben und Abwanderung arbeiten sie daran, Ortskerne zu beleben und den sozialen Zusammenhalt zu stärken.
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Zug um Zug
In den 1980er-Jahren brauchte man mit der Bahn mindestens 45 Minuten von St. Pölten nach Wien. Neue Untertunnelungen und Hochleistungszüge haben die Fahrzeit heute auf 21 Minuten verkürzt.
Gut angebunden
St. Pölten liegt an der Westbahnstrecke und ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt für den Fern- wie für den Regionalverkehr: Durch die Traisentalbahn ist St. Pölten mit dem Süden, durch die Mariazellerbahn mit dem berühmten Wallfahrtsort und durch die Tullnerfelder und die Kremser Bahn mit dem Norden verbunden. Der St. Pöltner Hauptbahnhof, der 2006 bis 2011 bei laufendem Betrieb umfassend renoviert wurde, ist wichtiger Ausgangspunkt auch im innerstädtischen Verkehr. 2007 ging die St. Pöltner Busflotte in Betrieb. Ihr Name LUP leitet sich vom Wappentier der Stadt ab: dem Wolf, lateinisch „Lupus“. Startete man ursprünglich mit zehn Linien, hat sich das Netz seither erheblich erweitert – der Bus wurde zum unverzichtbaren öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt.
Umweltfreundlicher durchs Land
Mit Übersiedlung der Landesverwaltung wurde es notwendig, die öffentliche Erreichbarkeit St. Pöltens zu verbessern. Dazu trugen ab 1996 die Wiesel-Schnellbusse bei. Auch Entscheidungen auf Bundesebene wirkten sich nach der Jahrtausendwende auf Niederösterreich aus. Als besonders wichtig für St. Pölten galten der Neubau der Westbahn (Inbetriebnahme 2012) und die Güterzugumfahrung (2017).
2002 wurden zudem alle Bundesstraßen in die Obhut der Länder übertragen, die seitdem für deren Erhaltung aufkommen müssen. Investitionen in die Straße überwiegen jene in die Bahn in Niederösterreich derzeit noch um nahezu das Dreifache. Das soll sich in Zukunft ändern – unter anderem durch die Elektrifizierung der Traisentalbahn und die Fertigstellung des Semmering-Basistunnels.
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Gesundheit!
Spitäler zu betreiben ist eine kostspielige Angelegenheit. Lange Zeit lag diese in den Händen von Städten und Gemeinden. Um durch zentrale Verwaltung und langfristige Planung Investitionen gezielter lenken zu können, hat vor etwa 20 Jahren das Land viele Spitäler übernommen. Das gilt auch für jenes von St. Pölten.
Umfassend betreut
1986 war die Stadt St. Pölten Trägerin des Krankenhauses, das damals 1.558 Beschäftigte und 1.085 Betten zählte. Heute ist das Universitätsklinikum am Dunant-Platz 1 mit rund 3.000 Mitarbeitenden und 1.140 Betten das größte Spital Niederösterreichs. Zu seiner Entlastung und um eine niederschwellige und rasche medizinische Versorgung gewährleisten zu können, wurde 2019 das erste Primärversorgungszentrum St. Pöltens im Süden eröffnet. Das PVZ Nord ging 2025 in Betrieb. Der weitere Ausbau der Primärversorgung ist fester Bestandteil des Stadtentwicklungsplans stp*25|50.
Hinter dem Hauptbahnhof, in der Kremser Landstraße 3, befindet sich das Service der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Die Bevölkerung profitiert zudem von Gemeinschaftspraxen, in denen Ärztinnen und Ärzte Ressourcen gemeinsam nützen und Kosten teilen.
Versorgung im Land
In den vergangenen 40 Jahren kam es in der Gesundheitsversorgung in Niederösterreich zu einem Wandel hin zu einer gebündelten Struktur. Heute übernehmen Universitätskliniken wie jene in St. Pölten, Wiener Neustadt, Tulln und Krems komplexe medizinische Fälle. Kleinere Klinikstandorte und wohnortnahe Primärversorgungszentren sichern die Grundversorgung, um Wartezeiten zu verringern und große Spitäler zu entlasten.
Knapper werdendes Personal, steigende Kosten und eine alternde Bevölkerung prägen den Alltag im Gesundheitswesen. Gerade in ländlichen Regionen lassen sich Hausarztpraxen nur schwer nachbesetzen. Zugleich steigt der Bedarf an Pflegeplätzen, mobilen Diensten und betreutem Wohnen. Diese Entwicklungen erfordern laufende organisatorische Anpassungen, zusätzliche Ausbildungsangebote und neue Versorgungsformen.
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G'lernt is G'lernt
1986 war St. Pölten eine klassische Schulstadt mit Pflichtschulen, weiterführenden und berufsbildenden Schulen. Seitdem sind die Zahlen der Schülerinnen und Schüler gestiegen: Viele Fachschulen wurden zu modernen berufsbildenden höheren Schulen weiterentwickelt und ziehen heute junge Menschen aus dem gesamten Umland an.
Bildung in der Stadt
Mit Gründung des „Vereins zur Förderung der Fachhochschule St. Pölten“ startete St. Pölten 1993 in seine Hochschulära: Der Grundstein für die FH war gelegt. 1996 begann der erste Diplomstudiengang „Telekommunikation und Medien“. Heute decken zahlreiche Studiengänge ein breites Spektrum von Technik über Medien bis Gesundheitsmanagement ab. 2024 folgte der nächste große Schritt: die Aufwertung zur University of Applied Sciences St. Pölten.
Mit der Bertha von Suttner Privatuniversität, der New Design University und der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich ist ein dichtes Netzwerk an Bildungsinstitutionen entstanden. Zusätzlich ermöglicht die Universität Linz im Rahmen ihres Jus-Fernstudiums, Prüfungen in St. Pölten abzulegen. Aus der einstigen Schulstadt ist ein Bildungshotspot geworden.
Hochschulen im Land
Wissen ist die wichtigste Ressource der Gegenwart und Bildung seine Quelle. Diesbezüglich hatte Niederösterreich einen beträchtlichen Aufholbedarf: Mitte der 1980er-Jahre gab es noch keine einzige Universität im Bundesland, heute sind es sechs. Maßgeblich waren neben den Campusentwicklungen in St. Pölten auch jene in Tulln und Wiener Neustadt (ab 1994) sowie in Krems (ab 1995). Während die Abschlüsse an diesen Hochschulen zu 64 Prozent von Frauen erworben werden, hinkt deren Anteil beim Lehrpersonal in Niederösterreich deutlich nach: Rund 22 Prozent der Lehrenden an Hochschulen im Bundesland sind Frauen – was weit unter dem österreichischen Durchschnitt von über 32 Prozent an öffentlichen Universitäten liegt.
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Wissen's Eh?
1986 war der Domplatz vor allem eines: ein Parkplatz. 2010 bis 2019 fanden archäologische Grabungen statt, die eine Fülle von Überr aschungen zutage brachten und ein ganz neues Licht auf den Ort werfen. Er eignet sich ausgezeichnet dafür, über die Entwicklung von Wissenschaft und Forschung in Stadt und Land zu berichten.
Wissenschaft in der Stadt
Der Neugestaltung des zweitgrößten Platzes der Stadt gingen archäologische Ausgrabungen voraus, die neue Erkenntnisse brachten: etwa, dass sich hier ein römischer Verwaltungspalast befunden hatte. Auf seinen Fundamenten war im Mittelalter ein Kirchenensemble errichtet worden. In dessen Umgebung fanden in mehr als 900 Jahren über 22.000 Menschen ihre letzte Ruhestätte – es handelt sich um den größten erforschten Friedhof Europas. Nach wie vor laufen auch internationale Forschungsprojekte dazu, etwa in Kooperation mit dem Max-Planck- Institut in Leipzig.
Den Domplatz säumen das neu gestaltete Museum am Dom, das Diözesanarchiv und die Stadtbibliothek, unweit befindet sich die Kirchliche Pädagogische Hochschule (KPH). Sie wirken als moderne Wissens- und Forschungseinrichtungen zur regionalen und europäischen Geschichte.
Forschung im Land
Ab den 1990er-Jahren wurden in Niederösterreich bedeutende Technologiezentren aufgebaut, unter anderem in Krems, Wieselburg oder Klosterneuburg- Gugging. Dort betreibt seit 2009 das Institute of Science and Technology Austria Grundlagenforschung. Heute sind am ISTA mehr als 1.000 Personen aus rund 80 Nationen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Physik, Chemie und Biologie tätig.
In Lunz am See erforscht der 2005 gegründete WasserCluster Lunz Bäche, Flüsse und Seen. Sechs geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Institute mit Sitz in Niederösterreich kooperieren zudem seit 2016 im Rahmen des Forschungsnetzwerks Interdisziplinäre Regionalstudien (first).
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Ab ins Grüne!
Der Alumnatsgarten wurde in Zusammenarbeit von Stadt und Diözese St. Pölten neu gestaltet und 2024 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er ist eines von zahlreichen Beispielen dafür, dass in den vergangenen Jahrzehnten in Stadt und Land viel in die Schaffung und Erhaltung von Erholungs- und Naturräumen investiert wurde.
Erholung in der Stadt
Der Alumnatsgarten blickt auf eine über 500-jährige Geschichte zurück. Ursprünglich war er Teil des im 15. Jahrhundert gegründeten Franziskanerklosters in der Wiener Straße, das später das Priesterseminar und die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Pölten beheimatete. Danach erlebte er viele Umbrüche – von Kriegszerstörungen bis zur Nutzung als Parkplatz.
Heute fügt sich der Alumnatsgarten, wie der neu geschaffene Sturm-19-Park, in ein wachsendes Netz innerstädtischer Grünflächen ein. Ergänzt durch Natur- und Bewegungsangebote entlang des Traisen-Radwegs und rund um die Landessportschule sowie den Ratzersdorfer und die Viehofner Seen sind vielfältige naturnahe Bereiche für Mensch und Tier entstanden.
Natur im Land
In jüngster Vergangenheit wurde in Niederösterreich verstärkt auf die Renaturierung von Flüssen gesetzt, etwa an der Donau mit der Auenwildnis Wachau oder in den Marchauen. Seit 1996 stehen die Donau-Auen östlich von Wien als Nationalpark unter Schutz.
Der Wienerwald, das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Mitteleuropas, ist seit 2005 UNESCO-Biosphärenpark. Das Wildnisgebiet Dürrenstein – 2021 durch Eingliederung des Lassingtals auf 7.000 Hektar vergrößert – zählt heute zum UNESCO-Weltnaturerbe und wird gemeinsam mit der Steiermark verwaltet.
Weitwanderwege wie der Welterbesteig Wachau oder der Thayatalweg 630 ermöglichen Naturgenuss und sportliche Betätigung. Vorreiter nachhaltiger Nutzung sind die Skianlagen in St. Corona am Wechsel, die in der warmen Jahreszeit dem Downhill-Radfahren dienen.
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Nicht Vergessen
Vom Europaplatz aus öffnet sich die Dr.-Karl-Renner-Promenade als luftiger, grüner Stadtraum. An ihr liegt die Ehemalige Synagoge. 1938 wurde sie verwüstet, die jüdische Gemeinde in die Emigration gezwungen und ausgelöscht. Die erste Instandsetzung des Baus 1980 markiert den Beginn einer neuen Gedenk- und Erinnerungskultur in Niederösterreich.
Gedenken in der Stadt
Seit ihrer 2024 abgeschlossenen zweiten Renovierung präsentiert sich die Ehemalige Synagoge als modernes Ausstellungs- und Kulturzentrum. Ihr wissenschaftliches Rückgrat bildet das Institut für jüdische Geschichte Österreichs. Es erinnert mit dem digitalen Memorbuch an St. Pöltner Jüdinnen und Juden und setzt seit 2018 „Steine der Erinnerung“ für jüdische NS-Opfer.
Bis 2024 wurde auch der neue jüdische Friedhof saniert, auf dem bis heute Beerdigungen stattfinden. Der alte jüdische Friedhof wurde in seiner ursprünglichen Funktion sichtbar gemacht. Ein Kunst- und Erinnerungsprojekt von Anna Artaker nennt die Namen der dort Bestatteten. 2025 konnten auf dem Städtischen Hauptfriedhof bei einem bis dahin anonymen Sammelgrab aus der NS-Zeit Grabsteine mit 238 Namen gesetzt werden.
Erinnerungskultur im Land
Gemeinsam mit „Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich“ wurden in St. Pölten Gedenkinitiativen gesetzt: Seit 1988 würdigt ein Denkmal Hans Kupelwiesers im Hammerpark ermordete Mitglieder einer Widerstandsgruppe. Stelen von Catrin Bolt erinnern – ebenso wie eine Postkartenaktion Tatiana Lecomtes 2010 – an Zwangsarbeitslager im Stadtgebiet.
Der Erinnerungsarbeit widmen sich landesweit Institutionen und Vereine, darunter das Zeithistorische Zentrum Melk mit einer KZ-Gedenkstätte, das Museum Erlauf Erinnert sowie das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich. Interdisziplinäre Projekte wie „Connecting Memories“ zu Orten der NS-Zwangsarbeit im Bundesland treiben die Zeitgeschichtsforschung voran. Auch Kunstprojekte setzen sich kritisch mit dem Erbe der NS-Zeit auseinander, etwa Martin Krenn mit dem „Friedenskreuz von St. Lorenz“.
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Zusammenleben
Der Altoonapark wurde 2024 gemeinsam mit dem KinderKunstLabor zu einem Ort für Kunst, Bewegung und Begegnung umgestaltet. Auf rund 6.200 Quadratmetern bietet er Spiel- und Entdeckungsmöglichkeiten für Menschen jeden Alters und jeder Herkunft. Benannt ist der Park nach St. Pöltens Partnerstadt Altoona in Pennsylvania, USA.
Vielfältige Stadt
1986 lebten in der neuen Landeshauptstadt 52.452, im Jahr 2024 bereits rund 60.000 Menschen. Ein Grund für das Wachstum war die Zuwanderung, besonders nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990ern und der EU-Erweiterung 2004. Die Migration hat Kultur und Wirtschaft der Stadt mitgeprägt. Verschiedene Communities engagieren sich heute im interkulturellen Dialog und tragen zu einer vielfältigen kulturellen wie sozialen Landschaft bei.
Parallel baute die Stadt ihre sozialen und Beratungsangebote aus. Um die Lebensbedingungen von Familien zu verbessern, hatte man bereits 1973 eine Familienberatungsstelle eingerichtet – damals ein Pionierprojekt. Seit 2012 bietet das Büro für Diversität Beratung, Antidiskriminierungsarbeit und Sprachförderung an. Im Jugendzentrum Steppenwolf finden junge Menschen Raum für Begegnung und Beteiligung.
Gesellschaftlicher Wandel im Land
In den vergangenen 40 Jahren wuchs die Bevölkerung Niederösterreichs stetig, Anfang 2025 lag sie bei etwa 1,7 Millionen Menschen. Der Anstieg ist auf Zuwanderung aus dem Ausland zurückzuführen. Zur gleichen Zeit lag die Geburtenrate unter der Sterblichkeitsrate. Das Durchschnittsalter und der Anteil älterer Menschen stiegen, wodurch Themen wie Pflege und altersgerechtes Wohnen in den Fokus rückten. Ländliche Gebiete litten eher unter Abwanderung und Überalterung, während Städte und das Wiener Umland wuchsen.
Heute sind mehr Menschen erwerbstätig als in den 1980er-Jahren, wenngleich der Anteil an Teilzeitkräften wuchs. 87 Prozent von diesen sind Frauen. Sie verdienen im Schnitt 34 Prozent weniger als Männer, leisten einen Großteil der unbezahlten Fürsorgearbeit und sind bei Trennung oder im Alter stärker von Armut betroffen.
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Zahlt sich aus!
Wo zuvor ein Stadion und Schrebergärten lagen, wurde in fünfjähriger Bauzeit ein umfassender Regierungs- und Verwaltungskomplex errichtet. 1997 übersiedelte die Landesverwaltung in das neue Regierungsviertel an der Traisen. Deren Kern bildet das Amt der NÖ Landesregierung, in dem heute rund 3.700 Menschen arbeiten.
Wirtschaftliche Dynamik in der Stadt
St. Pölten hat in den vergangenen Jahrzehnten einen tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel erfahren. Lange Zeit galt es als Industriestandort, geprägt vor allem durch das Chemieunternehmen Glanzstoff. Mit dessen Werksschließung 2008 endete diese Epoche. Die Ernennung zur Landeshauptstadt leitete eine neue Entwicklungsphase ein: Öffentliche Institutionen, Unternehmen, Banken und Versicherungen siedelten sich an. St. Pölten wurde politisches und administratives Zentrum.
Heute ist die Stadt mit rund 4.900 Arbeitsstätten, 60.500 Beschäftigten, täglich 40.000 Menschen, die einpendeln, und rund 5.500 Studierenden ein vitaler Wirtschafts- und Bildungsstandort. Neue Gewerbegebiete stehen für einen erfolgreichen Strukturwandel. Und auch der Tourismus wächst stark: von 50.435 Nächtigungen 1985 auf 238.336 im Jahr 2025.
Modernisierung im Land
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 und dem EU-Beitritt 1995 wurde die Lage Niederösterreichs, das zuvor die Grenze zum Osten markiert hatte, zum Vorteil. Warenexporte stiegen deutlich, viele Betriebe erweiterten ihre Tätigkeit ins Ausland. Maschinenbau und Metallverarbeitung florierten, doch traditionelle Branchen wie die Textilindustrie brachen durch die internationale Konkurrenz ein.
Heute trägt die Industrie rund ein Drittel zur Wirtschaftsleistung bei, während der Dienstleistungssektor mit Handel und Tourismus dominiert. Neben klassischen Industrien gewinnen digitale Technologien und vernetzte Arbeitsweisen zunehmend an Bedeutung. Initiativen wie das Haus der Digitalisierung in Tulln unterstützen Unternehmen, sich digitalen Herausforderungen wie Künstlicher Intelligenz zu stellen.
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Bühne Frei!
Mit dem Klangturm schuf Ernst Hoffmann, der Architekt des Regierungsviertels, ein neues Wahrzeichen der Stadt. Er steht für die facettenreiche Kultur- und Musikszene St. Pöltens, die sich in den vergangenen 40 Jahren beständig weiterentwickelt hat.
Bühnen der Stadt
Neben dem Landestheater etablierte sich in der Innenstadt ab 1990 die Bühne im Hof. Ihr Fokus liegt auf hochwertiger Kleinkunst. Im selben Jahr beschloss der Gemeinderat den Bau des Veranstaltungszentrums (VAZ) für Groß-Events im Süden St. Pöltens, das im Herbst 1992 seine Tore öffnete. 2002 entstand auf dem Rathausplatz das Cinema Paradiso als erstes niederösterreichisches Programmkino und Kabarett- wie Konzertlocation. 2013 kam ein zweiter Standort in Baden bei Wien dazu.
Seit 2005 gibt es mit dem Freiraum eine geförderte Bühne für die regionale Jugend- und Subkultur- Musikszene. Ursprünglich am alten Schlachthof- Areal, übersiedelte er 2014 in einen Neubau in der Herzogenburger Straße. Auch die jährlich stattfindenden Höfe- und Beislfeste wurden zu Fixpunkten des kulturellen Lebens in der Stadt.
Kultur im Land
Unweit des Klangturms liegt das Festspielhaus, die Heimstätte des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich. Es gehört wie viele Kulturbetriebe – darunter das Ausstellungszentrum Schallaburg, Grafenegg, das Museum Niederösterreich oder die Landesgalerie Niederösterreich in Krems – zur NÖKU-Gruppe (NÖ Kulturwirtschaft GesmbH.).
Alljährlich finden zahlreiche Festivals und Konzertreihen statt, etwa das Donaufestival oder das Kinder- und Jugendbuch-Festival, das Tausende in die Veranstaltungshäuser der Stadt lockt. 2024 setzte die Tangente St. Pölten internationale Akzente in Sachen Gegenwartskultur.
Die NÖ Landesausstellung rückt jeweils eine andere Region des Bundeslandes in den Fokus. 2026 widmet sie sich unter dem Titel „Wenn die Welt Kopf steht“ in Amstetten-Mauer der psychischen Gesundheit.
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Im Zuge der Errichtung des Regierungsviertels wurde 2002 auch das Landesmuseum Niederösterreich von Wien in den neu entstandenen Kulturbezirk St. Pöltens verlegt. Heute beherbergt es das Haus der Geschichte und das Haus für Natur. Hier, im Museum Niederösterreich, endet die Ausstellung: Anhand eines großen Stadtmodells wird ein Blick auf die Entwicklung St. Pöltens in den vergangenen vier Jahrzehnten geworfen.
Nähere Informationen dazu entnehmen Sie im Leitbild vom Museum Niederösterreich.
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