© NÖ Museum Betriebs GmbH, Foto: Christoph Fuchs

Zeit Kunst NÖ St. Pölten

K.U.SCH. EINE THEMENPALETTE

bis 22/02/2015

Katalog K.U.SCH.
Sonntag, der 9. November 2014, stand ganz im Zeichen eines umfangreichen und gut besuchten Rahmenprogrammes zur aktuellen Ausstellung der Zeit Kunst Niederösterreich "K.U.SCH. Eine Themenpalette", die in der Shedhalle St. Pölten noch bis 22. Februar 2015 zu sehen ist.
Zunächst präsentierte Alexandra Schantl, die künstlerische Leiterin der Zeit Kunst Niederösterreich, die von ihr herausgegebene, reich bebilderte und im Kerber Verlag erschienene Monografie "K.U.SCH. Renate Krätschmer und Jörg Schwarzenberger", die mit 312 Seiten einen umfassenden Einblick in das vielfältige Schaffen des Künstlerpaares gewährt. Weitere Beiträge von Hartwig Knack, Wolfgang Müller-Funk, Christian Reder, Dieter Ronte, Peter Zawrel, Linda Christanell, Renald Deppe und Bodo Hell laden zur tiefergehenden Reflexion über die in der Ausstellung erörterten Themenkreise wie Bildmagie, Verschlüsselung und Entschlüsselung, Gesellschafts- und Konsumkritik ein. Mit seiner Behandlung von Kunst im öffentlichen Raum geht der Text von Katharina Blaas-Pratscher über das in der Ausstellung Gezeigte hinaus.

Ausstellungsansicht, Shedhalle, St. Pölten, 2014
© Bildrecht, Wien 2014. Foto: Christoph Fuchs

Auch wenn der im Dezember 2013 verstorbene Jörg Schwarzenberger die Realisierung der lange geplanten Ausstellung und Publikation nicht mehr miterleben konnte, so ist doch sein schöpferischer Geist in beidem spürbar, zumal sich Renate Krätschmer und ihr Mann dazu entschieden haben, ihr Leben in den Dienst eines gemeinsamen künstlerischen Werkes zu stellen und ab 1972 konsequenterweise nur noch unter dem Namen K.U.SCH. (für Krätschmer Und Schwarzenberger) aufzutreten, was einen revolutionären Anspruch darstellte. Anwesend in der Shedhalle St. Pölten waren Renate Krätschmer und Sito Schwarzenberger, der gemeinsame Sohn des 1943 geborenen Künstlerpaares, der sich K.U.SCH. im Jahr 2006 anschloss und mit Arbeiten aus dem Bereich Grafik-Design und Visuals in der Ausstellung vertreten ist, sowie der Dichter Bodo Hell und die Filmemacherin Linda Christanell, beides künstlerische Weggefährten von K.U.SCH.

K.U.SCH., Kugelbecken mit Wandbord, 1970,
Ausstellungsansicht, Shedhalle, St. Pölten, 2014
© Landessammlungen Niederösterreich.
Bildrecht, Wien 2014. Foto: Christoph Fuchs
Im anschließenden Ausstellungsrundgang spannte Alexandra Schantl im Dialog mit Hartwig Knack, dem Kurator der Schau, den Bogen von den Anfängen von K.U.SCH. in der geometrischen Abstraktion der späten 60er- und frühen 70er Jahre über spielerische Objekte wie das Kugelbecken mit Wandbord hin zu einem höhenverstellbaren Altartisch für die Studentenhauskapelle in Graz. In diesem Zusammenhang betonte Hartwig Knack die Affinität von K.U.SCH. zum Gesamtkunstwerk, zur gegenseitigen Durchdringung und schließlich Verschmelzung von Kunst und Leben. Dies schlägt sich auch in der Biografie von K.U.SCH. nieder, die das Jahrzehnt von 1978 bis 1988 auf dem Strohhof in Kirnberg bei Melk verbrachten, wo sie die Idee eines naturnahen Lebens verwirklichen wollten. Ein Jahr zuvor gründeten sie den "Zirkus der Kurpfuscher", ein experimentelles Forum für Performances, das sie 1988 zum Prozessionstheater weiterentwickelten. In diesem Prozessionstheater gibt es "Manns- und Weibsschilde", denn K.U.SCH. übertragen Geschlechtlichkeit auch auf die Dingwelt, wie sie mit ihrer 1980 entworfenen "Busenbürste" zeigen. Das Automobil ist Symbol männlicher Potenz und zugleich Fetisch einer Konsumgesellschaft, die kriegerische Elemente in sich trägt, was im "Konsumkampfwagen" von 1999 deutlich wird. Dieser Einkaufswagen wird durch eine Sense, die auf ihm montiert ist, zum Kampfmobil.

Ausstellungsansicht, Shedhalle, St. Pölten, 2014
© Bildrecht, Wien 2014. Foto: Christoph Fuchs
Als Abschluss des Rahmenprogrammes wurde im Museumskino des Landesmuseums eine Auswahl von experimentellen 8-mm-Filmen von K.U.SCH. gezeigt. Der erste Film aus den Jahren 1968 bis 1971 mit dem Titel "R10" ist ein so genannter Materialfilm, bei dem auf Blankfilm bunt gemalt und Schwarzfilm ausgekratzt wird und sich somit das visuelle Material zu einer abstrakten Komposition verwebt. Schmutz, Kratzer und Klebestellen, die sonst retuschiert werden, bleiben hier sichtbar. Der zweite Film aus dem Jahr 1974 trägt den Titel "Rom - ein Tanzboden" und nimmt auf eine Installation im Österreichischen Kulturforum in Rom Bezug, bei der knapp über dem Boden dünne Drähte mit Fähnchen und Glöckchen daran montiert werden und der Rhythmus der sich darauf bewegenden Menschen festgehalten wird. Der Takt ihrer Bewegungen überträgt sich auf die ganze Stadt Rom und ihre Bewohner, insbesondere die Uniformierten wie Polizisten, Schweizergardisten, Priester und Nonnen. Im Zeitraffer erscheinen all ihre Schritte wie ein Tanz. Diese beiden Filme sind auch in der Ausstellung zu sehen. Der dritte Film mit dem Titel "Berührungen / Szenen zur Bezüglichkeit der Berührung / signalsprachliche assoziationen" aus den Jahren 1974/75 entstand gemeinsam mit Linda Christanell. In diesem Film werden Alltagsdinge mit Kunstobjekten in Verbindung gebracht und so die unterschiedlichsten Formen sinnlicher Berührungen spürbar gemacht.
Ausstellungsansicht, Shedhalle, St. Pölten, 2014
© Bildrecht, Wien 2014. Foto: Christoph Fuchs
Von der zeitlosen Aktualität der mit feiner Ironie behandelten Fragestellungen, die K.U.SCH. in ihrer Themenpalette vorbringen, kann sich der Besucher sowohl in der Ausstellung als auch durch die Monografie und das filmische Schaffen dieses außergewöhnlichen Künstlerpaares überzeugen.

Text: MMag. Ursula Düriegl

Ausstellungsort: Landesmuseum Niederösterreich, Shedhalle, Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten, Öffnungszeiten: Di.- So. 9.00 – 17.00 Uhr, http://www.zeitkunstnoe.at/de/st.-poelten/ausstellungen/k.u.sch

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