Wels

© NÖ Museum Betriebs GmbH, Foto: Monika Schaar-Willomitzer

… schwimmender Gigant (Silurus glanis)

© thinkstock, Foto: abadonian
Seine Welt ist geheimnisvoll und rätselhaft. Dunkelheit, versunkene Baumstämme und trübes Wasser, das ist der Lebensraum der stummen Giganten. Er haust in Spalte und Höhlen von stehenden oder langsam fließenden Gewässern, verstecken sich zwischen dichtem Wurzelwerk oder Schilf. Seine geheimnisvolle Erscheinung und die schiere Größe des Welses bieten viel Stoff für Mythen und Legenden. Oftmals vermischen sich Märchen und Wahrheit zu unheimlichen Geschichten über vermeintliche Killerfische. Ein potentieller Menschenfresser ist der Wels trotz all der Legenden über ihn nicht und es kann weiterhin ohne Angst in allen Seen und Flüssen gebadet und getaucht werden.

Der Wels oder auch Waller genannt, lebt im Verborgenen. Der größte reine Süßwasserfisch unserer Gewässer ist vorwiegend nachtaktiv und zieht sich tagsüber in seine Verstecke zurück, wo er bis zur Dämmerung reglos liegen bleibt. Er kann die Farbe des Untergrunds annehmen und bleibt, getarnt wie ein Guerillakämpfer, meist unentdeckt von Naturbeobachtern und Badegästen.
Genau hinsehen muss auch, wer die Welse im Donaubecken des Landesmuseums beobachten will. Unter Tags liegen sie meist unbewegt am Grund des Aquariums. Erst wenn die Nacht hereinbricht kommt Leben in die schuppenlosen, schleimigen Körper. So manch ein Besucher erschrickt, wenn ein vermeintlicher Baumstamm sich plötzlich bewegt und wegschwimmt.

Er ist ein nicht gerade wählerischer Raubfisch, der alles verschlingt, was in sein großes Maul passt. Und das ist nicht irgendein Maul, sondern das größte und breiteste aller Süßwasserfische. Auf seinem Speiseplan stehen neben Aas, Würmern, Schnecken, Fröschen, Fische auch Wasservögel und kleinere Säugetiere.
Der Waller kann bis zu drei Metern lang werden und ein Gewicht von bis zu 150 kg erreichen. Es ranken sich jedoch Legenden um Exemplare, die um einiges schwerer sein sollen. Aber nicht nur seine Größe macht den Wels zu einer einprägsamen Erscheinung. Seine einzigartige Körperform unterscheidet ihn, wie auch seine völlig schuppenlose Haut, deutlich von allen anderen Fischen.

Weil der Waller vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv ist, spielt sein Sehsinn, im Vergleich zu anderen Raubfischen, eine sehr untergeordnete Rolle. Seine Augen sind sehr klein und ausdruckslos. Der Tastsinn hingegen ist stark ausgeprägt. Dazu benutzt der Wels seine auffällig langen Barteln am Oberkiefer, mit denen er aktiv seine Umgebung ertasten kann. Am Unterkiefer sitzen noch weitere vier kleinere und unbewegliche Barteln die, genau wie das gut ausgebildete Seitenlinienorgan dem Fisch dabei helfen, seine Beute aufzuspüren. Aber auch das Gehör des gigantischen Räubers ist besonders gut ausgeprägt und sensibel. Schallwellen werden von der Schwimmblase aufgenommen, die mit dem Innenohr verbunden ist und die Aufgabe des Trommelfells übernimmt. Dieser spezielle Aufbau des Gehörs ist typisch für die Gruppe der echten Knochenfische, zu denen der Wels gezählt wird.

Hat er ein Beutetier ausgemacht, so schlägt der Waller stets aus geringer Entfernung blitzartig zu. Ein einzelner Schlag seiner Schwanzflosse muss genügen, um ihn an seine Beute zu bringen. Einmal geschnappt, machen es die zahllosen kleinen, kegelförmigen, nach hinten gerichteten Zähnen des Welses dem Opfer nahezu unmöglich zu entkommen.

Die einzelgängerischen Tiere finden sich lediglich zur Laichzeit von Mai bis August paarweise in pflanzenreichen Flachwasserzonen zusammen. Das Männchen baut ein Nest aus Wasserpflanzen, in welches vom Weibchen während des Laichspiels 20 000 bis 30 000 Eier pro kg Körpergewicht gelegt werden. Diese werden sofort von ihrem Partner besamt und bleiben an Pflanzenteilen kleben.
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Hier enden die Pflichten einer Welsmutter. In der Folge wird das Nest vom Vater bis zum Schlüpfen der Jungen bewacht und durch Flossenschläge mit Frischwasser versorgt. Die frisch geschlüpften Larven verlassen erst nachdem sie den Dottersack aufgebraucht haben, den ihnen ihre Mutter als Starthilfe mit auf den Weg gegeben hat, das vom Männchen bewachte Nest. Nun beginnt für sie das Leben eines Raubfisches. Erst wenige Tage auf der Welt, stellen sie bereits kleinen Flohkrebsen und anderen im Wasser schwebenden Kleintieren nach.
Doch besonders im ersten Lebensjahr wird der Jäger oft zum Gejagten. Die Zahl der Feinde junger Welse ist groß. Nahezu alle Fische aber auch Frösche, Insekten wie Libellenlarven oder Gelbrandkäfer und Wasservögel ernähren sich von frischgeschlüpften Fischlarven und Jungfischen. Wer die ersten Lebensjahre überstanden hat ist groß genug, um den Spieß umzudrehen und seinerseits Jagd auf Fische, Frösche und Wasservögel zu machen.

Die Vorliebe erwachsener Welse für Ente, Haubentaucher und Co machen sie oft zum erklärten Feind vieler Vogelschützer. So kommt es etwa an den zum Teil als Vogelschutzgebiet ausgewiesenen Viehofner Seen in St. Pölten immer wieder zu Problemen. Es musste öfter beobachtet werden, dass der Nachwuchs vieler Wasservögel größtenteils vor dem Erwachsenwerden spurlos verschwand. Als mögliche Täter in diesem „Kriminalfall“ kommen unter anderem die in den Seen lebenden, großen Welse in Frage. Aus diesem Grund gab es 2010 eine Fischereikampagne, um die Anzahl der Raubfische zu reduzieren. Der größte im Zuge dieser Aktion gefangene Waller wog 70 kg und war mit einer Körperlänge von 2,32 m größer als ein Mensch. Der Riesenfisch wehrte sich über eine Stunde lang gegen seine Gefangennahme und konnte nur unter großem Kraftaufwand aus dem Wasser geholt werden. Es werden jedoch noch größere Exemplare in den beliebten Badeseen vermutet, was das Interesse von Sportfischern erweckt.


Unter Anglern gilt der Wels wegen seiner Größe und seinem Kampfgeist als beliebter Sportfisch. Große Exemplare werden jedoch, von verantwortungsvollen Fischern, meist, nach dem Schießen einige Erinnerungsfotos, wieder in die Freiheit entlassen. Denn die großen Tiere sind nicht überall so häufig wie in den St. Pöltner Seen. Auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten Österreichs wird der Wels als „gefährdete Art“ geführt. Das lässt sich vor allem auf die schlechte natürliche Reproduktion der Tiere, die zur Vermehrung auf Wasserpflanzen und Überschwemmungszonen angewiesen sind, zurückführen. Die meisten Bestände in Österreich können nur durch künstlichen Besatz erhalten werden.

Einmal mehr zeigt sich, dass Vielfalt und Reichtum der Natur nur durch den Erhalt natürlicher Lebensräume und ein friedliches und verantwortungsvolles Miteinander von Mensch und Tier gewährleistet werden kann.


Im Landesmuseum leben einige Welse im großen Donaubecken.
Donaubecken, Foto: M. Schaar

http://www.landeshauptstadt.at/index.php?option=com_content&view=article&id=1550&Itemid=217
http://www.culturecall.com/audios/ammerland/Station25-Riesenwels.mp3


Text: Mag. Elisabeth Holovsky

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