Junge Igel im Herbst

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Giftzwergi, Foto: Marlene Zechel
"Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Giftzwergi. Ich irrte an einem sehr milden Oktobertag am frühen Abend  vor dem Haus meiner Pflegerin in einem kleinen Stück Grünfläche. Ich suchte aufgeregt und hektisch nach etwas Fressbarem. Warum ich so früh schon am Weg  war, um Nahrung zu suchen? Der Winter steht vor der Tür und mein Bauch ist einfach noch nicht dick genug.
Meine Beobachterin Marlene bemerkte gleich, dass etwas mit mir nicht stimmt. Als sie zu mir kam, habe ich mich gleich eingeigelt und gepfaucht. Genau so, wie es sich für ein Wildtier gehört! Aber als ich bemerkte dass sie mir eine Schüssel voll mit Leckereien vor die Nase gestellt hat, habe ich nicht lange gezögert und mich darauf gestürzt. Ich habe immer solchen Hunger!
Als ich die Schüssel leer gefressen hatte, schnappte sie mich und setzte mich auf eine Waage. 234 g nach einer großen Portion Insekten. Da die Tage immer kälter werden und es immer weniger Futter für mich geben wird, hat Marlene mich einfach mit ins Museum mitgenommen. Dort lernte ich Lisa kennen. Sie ist die zweite Tierpflegerin im Landesmuseum, sie kümmerte sich nun ebenfalls sehr liebevoll um mich.
Ich konnte mich nun stressfrei auf meine Überwinterung vorbereiten.
Mein Tagesablauf: Fressen, schlafen. Schlafen, fressen… und manchmal musste ich auf die Waage. Das fand ich gar nicht lustig! Wahrscheinlich haben mich die Tierpfleger deshalb "Giftzwergi" genannt. Aber Marlene und Lisa gaben sich wirklich sehr viel Mühe, mich nicht unnötig anzufassen oder zu stören. Und durch die optimale Fütterung der beiden habe ich in kürzester Zeit mein optimales Überwinterungsgewicht von 500g erreicht und konnte wieder in die Freiheit entlassen werden. Natürlich bekam ich von den beiden eine kleine Starthilfe. Ein kuscheliges Häuschen mit Stroh und Laub gefüllt unter einem Laubhaufen im Museumsgarten und die erste Woche bekam ich auch noch Futter. Vielleicht begegnet man sich ja im Frühjahr wieder."



Igel im Herbstlaub, Foto: Thinkstock
Erste Hilfe für Jung-Igel
 
Auch im September werden noch Igeljunge geboren. Bis zum Wintereinbruch müssen diese Jungtiere 500g schwer sein, um den Winterschlaf  antreten zu können.
Diese spätgeborenen, kleinen Igel fallen im Oktober und November oft auf, weil sie manchmal auch tagsüber auf Futtersuche sind. Ab Mitte Oktober wird die Futtersuche in der Regel schwieriger. Je kälter die Witterung, desto weniger Futtertiere finden sie. Bei geschlossener Schneedecke oder gefrorenem Boden versiegen die Futterquellen vollständig.
Deshalb sollte der Igel dann im Winterschlaf sein. Von November bis März halten Igel normalerweise Winterschlaf. Je nach Witterungsverlauf und Höhenlage gibt es aber Abweichungen davon.
 
Treffen Sie im Herbst am Tag einen Igel an, kann das mehrere Gründe haben:
  1. Der Igel ist krank oder verletzt.
  2. Der gesunde Jung-Igel hat das für den Winterschlaf notwendige Körpergewicht von 500g noch nicht erreicht. Das Tier spürt das und ist deshalb bis weit in den Spätherbst hinein auch tagsüber auf Nahrungssuche anzutreffen.
Haben Sie einen Jung-Igel gefunden, der einen gesunden Eindruck macht (sieht "wohlgenährt rundlich" aus), wiegen Sie ihn bitte ab. Ist das Körpergewicht grösser als 500g: Es sind keine Maßnahmen zu ergreifen, der Igel besitzt das notwendige Winterschlafgewicht.
Sollte der Igel weniger als 500g wiegen, wenden Sie sich bitte an Institutionen, die Erfahrung mit Jung-Igeln haben.
 
Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Igel: http://landesmuseum.blogspot.co.at/2013/11/igel.html
 
Text: Marlene Zechel
 

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