Habichtskauz

© Marc Graf

FRÜHLING BEI DEN HABICHTSKÄUZEN

Weiterverfolgung des Wiederansiedlungsprojekts junger Habichtskäuze vom Mai 2011 (sh. weiter unten)

Alle besenderten Habichtskäuze haben den Winter gut überstanden. Im Gegensatz zu den ersten beiden Freilassungsjahrgängen waren die Vögel mit einzelnen Ausnahmen aus dem Jahr 2011 relativ stationär und wanderten meist nur kleinräumig.

Der Winter begann mit milden Temperaturen und wenig Schnee. Der erste Schneefall setzte am 7. Dezember ein, größere Schneemengen gab es seit Mitte Jänner und tiefe Temperaturen von bis zu -22°C wurden Mitte Februar gemessen. Bei den tiefen Temperaturen wanderten die Habichtskäuze kleinräumig meist im nahen Umfeld ihrer Streifgebiete. Dennoch blieben sie im Winter und bis in den Frühling stationär.

Vergangenen Winter verlor Männchen Chlodwig im Grenzbereich des Wildnisgebietes seinen Sender (er war nach seiner Freilassung in Göstling in das Wildnisgebiet gewandert). Mit Schneeschuhen und dem Zurücklegen von einigen hundert Höhenmetern konnte der Sender in einer Fichte nahe dem Gipfel gefunden werden.

Aufgrund der bisherigen Ergebnisse können zumindest 10 besetzte „Reviere“ dokumentiert werden, wobei zumindest  4 - 5 von einem Paar besetzt sein dürften.

Das Weibchen Alexandra war vor dem Winter nach dem Tod des Männchens Martin, mit dem sie sich gemeinsam seit Beginn der Herbstbalz in einem Streifgebiet aufhielt, in die Umgebung der Nachbarortschaft gewandert, wo sie sich einige Wochen aufhielt. Danach kehrte sie wieder zu einem „neuen“ Männchen namens Lukas zurück, mit dem sie sich geraume Zeit im selben Streifgebiet aufhält, um aber auch diesen potenziellen Partner wieder zu verlassen. Vor kurzer Zeit wanderte sie in die Nachbarortschaft zum Männchen Trux, bei dem sie sich wenige Tage aufhielt, um danach Männchen Lukas wieder aufzusuchen.

Im Streifgebiet von Weibchen Salvatore und Männchen Franz gelangen sowohl Sichtbeobachtungen als auch Balzbeobachtungen. Es zeigte sich, dass Balzbeobachtungen mit großem Aufwand verbunden sind, da die Rufe nur wenige 100 Meter weit zu hören sind und zur Balzzeit im Februar und März aufgrund der Schneehöhen viele der Reviere ohne Gefährdung der eigenen Person nur schwer zu erreichen sind.

Ein Ursache, dass die meisten Habichtskäuze aus dem Jahr 2011 stationär blieben, könnte die soziale Komponente sein, da 2011 20 Habichtskäuze freigelassen wurden (im Jahr 2009 nur 9, im Jahr 2010 nur 12). Ein weiterer Grund könnte die bessere Nahrungssituation sein. Insgesamt konnten bisher 41 Habichtskäuze in und um das Wildnisgebiet freigelassen werden. Die Sterblichkeit lag mit ca. 30 % in einem durchaus vertretbaren Bereich, wenn man davon ausgeht, dass natürliche Sterblichkeitsraten bis zu zwei Drittel und mehr erreichen können.

Die zwei Zuchtpaare in der Verantwortung des Wildnisgebietes (in Göstling und des Kooperationspartners OAW in Linz) begannen Anfang März zu brüten. Nun hoffen wir, auf eine erfolgreiche Brut in den Zuchtvolieren und auch in freier Wildbahn!

Die ersten Freilandbruten der Habichtskäuze aus dem Wildnisgebiet

Es ist so weit! Nach den ersten drei Freilassungsjahren konnten nach dem Biosphärenpark 2011 auch rund um das Wildnisgebiet die ersten Bruten von Habichtskäuzen aus dem Wildnisgebiet am 18.3.2012 und am 4. 4. 2012 bestätigt und dokumentiert werden. Bei Paar „1“ handelt es sich um ein kräftiges Männchen namens Anton aus dem Alpenzoo Innsbruck aus dem Jahr 2011 und um ein unbesendertes Weibchen aus dem Wiener Wald aus dem Jahr 2010. Der erste bestätigte Brutplatz liegt ca. 13 bzw. 20 km von den Freilassungsorten entfernt. Das zweite Paar setzt sich aus Individuen mit den klingenden Namen Stefan und Schöne Valerie zusammen, die von zwei unterschiedlichen Paaren der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee zur Auswilderung zur Verfügung gestellt wurden. Der Brutplatz befindet sich ca. 5 km vom Freilassungsort entfernt. Beide Paare brüten in einem geschlossenen, massiven Lärchennistkasten in einem Fichtenmischbestand bzw. einem Buchenbestand. Die Telemetrie ermöglichte das Auffinden der Vögel in 20 km Entfernung zum Freilassungsort, was die Montage der Nistkästen im Streifgebiet der Vögel gewährleistete, was wiederum das Auffinden und Bestätigen der Freilandbrut möglich machte. Die Freude über die ersten bestätigten Freilandbruten der Habichtskäuze aus dem Wildnisgebiet - nach drei Jahren intensiver Arbeit für die Tiere - ist groß!

Bei Drucklegung der NEWS waren noch nicht alle Nistkästen kontrolliert, so dass weitere Überraschungen nicht ausgeschlossen werden können. Auch gibt es insbesondere im Wildnisgebiet zahlreiche natürlich Brutbäume, so dass auch Bruten, die nicht gefunden werden, nicht ausgeschlossen werden können.

Text und Bilder: Ingrid Kohl

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Mit 2. Mai 2011 werden im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojekts junge Habichtskäuze im Landesmuseum getauft. Weitere Vögel befinden sich an der „Vogelwand“ im Museumsnaturbereich.

Sensation im Wienerwald: 
Habichtskauz © Marc Graf
Erstmals Habichtskauz-Nachwuchs in freier Wildbahn! 
Anfang Juli 2011 entdeckte Projektleiter und Wildbiologe, Richard Zink vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI), eine wissenschaftliche Sensation: Inmitten des Biosphärenparks Wienerwald fand er in der Krone einer mächtigen Rotbuche ein kleines Habichtskauz-Kücken. Mehr unter www.habichtskauz.at

Habichtskauz © H. Hillewaert
Der Habichtskauz kommt in Österreich nur mehr sporadisch vor, daher sind Maßnahmen zum besonderen Schutz erforderlich. Aktuell sind Bemühungen im Wildnisgebiet Dürrenstein und im Biosphärenpark Wienerwald im Gange. Er wird bis zu 60cm groß, Männchen haben eine Flügelspannweite von 115cm, Weibchen eine von 125cm, bevorzugt Buchenmischwälder und ernährt sich von kleinen Säugetieren, v.a. Mäusen.
Nistplätze befinden sich in Baumhöhlen, Baumstrünken, Horsten, aber sie nehmen auch gerne Nistkästen an. Die Ablage von 2-3 (max.6) Eiern erfolgt in den Monaten März/April. Für die Ernährung ist ausschließlich das Männchen zuständig.
Quelle: Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (www.fiwi.at)

LR Dr. Stephan Pernkopf
Taufpate zu sein, bedeutet zum einen eine große Pflicht. Als Pate sollte man nicht nur schnell zur Taufe eilen um sein Patenkind dort für nur wenige Minuten in den Armen halten. Als Pate übernimmt man auch Verantwortung für den Täufling und sorgt sich um sein Wohlergehen, sein Wachsen und Heranreifen.
Als Taufpate für einen jungen Habichtskauz darf ich die Patenschaft für diesen Jungvogel und das gesamte Habichtskauz Wiederansiedelungsprojekt übernehmen.

Das Land Niederösterreich übernimmt hier seit dem Jahr 2008 seine Verantwortung im Bereich des Artenschutzes und der Biodiversität und leistet einen entscheidenden Anteil am „Come Back“ dieser großen Waldeule in Österreich.

Taufpate zu sein, bedeutet aber auch eine große Freude. Den kleinen Jungvogel in der Hand zu halten, kaum größer als ein Wollknäuel, ist ein einmaliges Erlebnis. Als Namen für den kleinen Schlaumeier habe ich „Vifzack“ gewählt, stehen doch Eulen schon seit der Antike als Symbol für Weisheit und Wissenschaft. In diesem Sinne soll sich mein Patenkind durch Scharfsinn und Raffinesse auszeichnen und in eine gute Zukunft gleiten.

Dr. Richard Zink
Es war einer dieser kühle Frühlingsmorgen meiner Kindheit (ich war gerade 12 Jahre alt) als meine Faszination für Eulen begann: Ich saß am Fenster, als ein – für meine damaligen Vorstellung – riesiger Vogel lautlos und nur ganz knapp über die Wiese unseres Gartens strich. Blitzschnell verschwand er in einem unserer alten, hohlen Kirschbäume. Ich war fasziniert – und legte mich am nächsten Morgen auf die Lauer. Tagtäglich konnte ich den Kauz (beinahe auf die Minute genau) wieder beobachten; er kam aus dem Wald und verschwand in seiner Höhle. Wie meine späteren Recherchen ergaben, handelte es sich um einen Waldkauz, der kleinen Geschwisterart des seltenen Habichtskauzes.
Später studierte ich Wildbiologie, spezialisierte mich auf Greifvögel- und Eulen und träumte davon den seltenen – bei uns bereits im 20. Jhdt. ausgestorbenen - Habichtskauz eines Tages wieder in Österreich beobachten zu können. Diese Idee reifte bis im Jahr 2006 ein internationales Experten-Gremium den Beschluss zur Wiederansiedlung der großen Waldeule entlang der Alpennordseite fasste.

Es war ein bezaubernder Augenblick als - nach langwierigen Vorbereitungen - im Spätsommer 2009 der erste Habichtskauz mit Namen „Karl-Heinz“ freigelassen wurde. Majestätisch erhob sich der große Vogel (Spannweite 125cm) und verschwand mit wenigen Flügelschlägen lautlos zwischen den alten Buchenstämmen. Mein Gefühl lässt sich nicht in Worte fassen als ich „Karl-Heinz“ kurz vor den Osterfeiertagen 2011, gemeinsam mit seinem Kauz-Partner wiederfand. Nächstes Jahr wird es dann spannend – vielleicht sind gerade die Jungen von „Karl-Heinz“ nach mehr als 100 Jahren die ersten im Freiland geborenen Habichtskäuze.

Dr. Richard Zink ist  Zoologe an der Veterinärmedizinischen Universität Wien
Weitere Informationen zum Habichtskauz-Wiederansiedelungsprojekt unter: www.habichtskauz.at

Dr. Erich Steiner, Direktor Naturkunde
Als Ornithologe galt mein Interessenschwerpunkt zwar niemals den Eulen. Allerdings wird jeder, der das Glück hatte z.B. einen Uhu in freier Wildbahn zu sehen oder gar längere Zeit beobachten zu können zugeben müssen, dass von diesen Tieren eine unglaubliche Faszination ausgeht. Ich erinnere mich noch heute an meine erste Begegnung mit einem Uhu vor mehr als vierzig Jahren beim nächtlichen Angeln im Kamptal, die einen bleibenden Eindruck hinterließ.
Heute sind etliche der heimischen Eulenarten, denken wir hier beispielsweise an Steinkauz und Schleiereule, vom Aussterben bedroht, andere, wie eben der Habichtskauz, überhaupt aus Österreich verschwunden. 

Die Wiederansiedlung dieses prächtigen Vogels sollte uns allen ein Anliegen sein und verdient unsere volle Unterstützung. Mit der Hoffnug irgendwann einmal einen Habichtkauz in Freiheit beobachten zu können, möchte ich dem Projekt, allen MitarbeiterInnen und selbstverständlich auch den beteiligten Tieren viel Glück wünschen. 

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