© Brigitte Wagner-Steiner

Gartenzwerg 2 / 3

 

Der politische Gartenzwerg

Ende August, Anfang September 2014 war einerseits gerade noch Sommerloch für die Medien, andererseits Landtagswahlkampf in Vorarlberg. Die dortige SPÖ hat auf Plakatwerbung verzichtet und auf „Coolman“, einen Gartenzwerg, in tausendfacher Kopie gesetzt. Eine ironische Anspielung auf die Größe des Bundeslandes und die Stärke der dortigen SPÖ. Eines Nachts sind von 20.000 Zwergen 400 spurlos verschwunden. Es konnte nicht bewiesen werden, aber man erzählt es sich noch heute, dass die Kidnapper im Lager des politischen Kontrahenten zu suchen seien. Es war das erste Mal, dass Medien weltweit (BBC, Washington Post, El Pais, Neue Zürcher Zeitung u.v.m.) vom Vorarlberger Landtagswahlkampf berichtet hatten.
Legt man den Codex der IVZSG streng aus, handelt es sich hier um einen Missbrauchsfall.


Gartenzwerg-Schutz

Die Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge (IVZSG) wurde 1980 in Basel gegründet und hat Mitglieder auf vier Kontinenten. Sie will die Gartenzwerge vor allem Schützen vor:
Gewalt, Zerstörung, Geiselnahme, Verschleppung, Misshandlung, Diebstahl, Pulverisierung usw.

 

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Üble Nachrede 

Etwa die Behauptung, dieser oder jener Mensch sei ein Gartenzwerg. Dies ist keine Beleidigung für den Menschen, sehr wohl aber für den Gartenzwerg.

Ein Beispiel aus der Literatur: „Der Rechtsanwalt hatte wirklich Ähnlichkeit mit einem Zwerg, aber nicht mehr mit einem harmlosen, der in einem grünen Rasen steht …“ Wäre es nicht der große Joseph Roth, der solches geschrieben hat, es wäre dieses Zitat beklagenswert. 
Der Bedrohung „beseelter“ Zwerge aus Ton, Keramik oder Terrakotta durch billige Kopien aus Kunststoff und Gips.

Missbrauch in der Werbung

Hier muss auf einen besonders drastischen Fall hingewiesen werden, der sich Mitte der 1990er Jahre im deutschen Herford ereignete. Da ein Bild stets mehr sagt, als tausend Worte möge die Abbildung der Werbeeinschaltung der Firma T+A genügen. Missbrauchsopfer: Zwerg 980, Bodybuilder. Zum Vergleich die wahre Gestalt aus dem Besitz des Autors.

 

 

Gartenzwerg-Befreiung

Front de Liberation des Nains de Jardins (FLNJ)

Die „Front zur Befreiung der Gartenzwerge“ trat erstmals 1996 in der Normandie in Frankreich in Erscheinung. In einer spektakulären Aktion wurden 20 Zwerge entführt und begleitet von Technomusik und bengalischen Feuern im Wald ausgesetzt.
Wir fordern, dass Gartenzwerge nicht länger lächerlich gemacht und in ihre natürliche Heimat – den Wald – entlassen werden müssen.“ Darüber hinaus soll es „Ziel sein, die Lebensbedingungen der Zwerge zu verbessern, die nachts allein und in der Kälte ihr Dasein fristen müssen“.
Im September 1998 baumelten elf niedliche Zwerge mit Schlingen um die Hälse unter einer Brücke im Osten Frankreichs. Man fand dort ein Schreiben folgenden Inhaltes: „Wenn Sie diese Zeilen lesen, werden wir nicht länger Teil dieser selbstsüchtigen Welt sein, in der wir Zwerge als bloße Dekoration dienen“.
Obwohl es zu Verurteilung wegen Diebstahls kam blieb die FLNJ bis heute aktiv. Zahlreiche mehr oder weniger spektakuläre Aktionen folgten und Organisationen mit ähnlichen Zielen wurden in vielen Ländern gegründet.

Negativer Preis: Plagiarius

Seit 1977 Preis für Unternehmen, die missbräuchlich Produkte nachahmen. Schwarzer Gartenzwerg mit goldener Nase. (angefertigt von Heissner, Firmengruppe Gardena)

Rekordpopulation pro m²

Die meisten Gartenzwerge weltweit sind im oberösterreichischen Innviertel zu finden. In Helga Eidenhammers Garten in Pfaffstätt (Bez. Braunau) leben 4443 Gartenzwerge.
Die größte innerstädtische Kleingartenanlage Mitteleuropas befindet sich in Wien (XV., Auf der Schmelz). Mit entsprechend hohem Gartenzwergaufkommen ist zu rechnen.
Das Schloss Neuwaldegg (Wien XVII.), vermutlich nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach, beherbergt einen Barockgarten mit Zwergerlgalerie (Werkstätte Matthias Bernhard Braun, um 1719).

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Der Gartenzwerg in Europa

In Skandinavien kennt man Trolle und als Beschützer des Hauses Nisse, das sind aber eher Kobolde.
In England heißen sie gnomes, hier dürfte das Vorbild über Vermittlung der deutsch-englischen Aristokratie der Hofzwerg sein. 
Zwei große Terrakottafabriken, die auch Zwerge herstellten, befanden sich in Böhmen: Johann Maresch in Aussig und Bernhard Bloch in Eichwald.
Der Barockbildhauer Matthias Bernhard Braun schuf für das Renaissanceschloss Nové Město nad Metují (dt. Neustadt an der Mettau) Gartenfiguren, die große Ähnlichkeit mit Gartenzwergen haben.

Aktuelles

In der Ausstellung „Garten – Lust. Last. Leidenschaft.“ (18. März 2018 bis 10. Februar 2019) im Museum Niederösterreich fungiert Heissner als Leihgeber, es ist die Sonderedition von 2017 (nach originalen Keramikformen) zu sehen: Waldemar, der Gartenwächterzwerg mit Laterne, Wilhelm, der Vorlese-Zwerg, der seinen Gefährten stets mit Rat und Tat zur Seite steht, Wendelin, der Flötenspieler und schließlich der Sammler-Zwerg Waldfried. 
Als Objekt des Monats März 2018 werden die fünf Waldmänner präsentiert, emsige Arbeiter, die ihren wohlverdienten Feierabend genießen und daher sichtlich entspannt sind. 


Text: Gerhard Hintringer

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