Frauenportrait #7

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#7  ITA, GEMAHLING LEOPOLD II. – TOD IN DER FREMDE 





  
 Ita, Gemahlin Leopolds II.
Je weiter man in der Geschichte zurückgeht, desto spärlicher werden die Spuren von Frauen. Das gilt selbst für prominente  Persönlichkeiten wie etwa die Gemahlinnen der Babenberger, die aus den verschiedensten Regionen Europas im Zuge der Heiratspolitik der Babenberger  in das Gebiet des heutigen Niederösterreichs kamen. Oft gelingt es nicht einmal ihre genaue Herkunft zu klären.
Nicht nur wir hätten gern gewusst, wie diese Frauen an der Seite der Babenberger Markgrafen und Herzöge ausgesehen haben. Auch andere vor uns haben diesen Wunsch verspürt. Als das Stift Klosterneuburg anlässlich der Heiligsprechung des Klostergründers Markgraf Leopold III. 1485 den in seinen Dimensionen gewaltigen Babenberger-Stammbaum in Auftrag gab, sollten auf den Flügeln dieses wie ein Flügelaltar konzipierten Werkes die Ehefrauen und Töchter der Babenberger dargestellt werden. Mit viel Fantasie schuf der Maler 40 höchst unterschiedliche „Porträts“ und kleidete die Damen in die prunkvollen Kostüme seiner Zeit.      
Unter diesen Damen befindet sich auch besagte Ita, die Markgraf Leopold II. heiratete, der 1075 die Herrschaft in der Nachfolge seines Vaters Markgraf Ernst antrat. Was wissen wir nun von ihr? Eine der Quellen zu ihrem Leben ist die Genealogie und Geschichte der Babenberger, die Ladislaus von Sunthaym, ein in Wien tätiger Gelehrter und Geistlicher, 1489 verfasste. Er war es auch, der den Babenbergern ihre bis heute bekannten Beinamen verpasste: Albrecht der Sieghafte, Heinrich Jasomirgott oder Heinrich der Streitbare.
Ita finden wir in dieser Schrift als Gemahlin Leopolds des Schönen = Leopold II.  (um 1050/5 –1095, regierte 1075–1095) erwähnt. Ita war laut Meinung Sunthayms eine Tochter Kaiser Heinrichs III., was natürlich für die Babenberger eine große Aufwertung bedeutet hätte. Sunthayms Annahme basierte auf älteren Quellen: bereits Thomas Ebendorfer und vor ihm die Österreichische Chronik der 95 Herrschaften hatten von der Werbung Leopolds II. um die Kaisertochter berichtet und sie blumig ausgeschmückt:  Auf die Burg Markgraf Leopolds II. kam einst ein Spielmann, den Leopold fürstlich entlohnte. Der Spielmann zog weiter an den Hof des Kaisers und sang dort ein Loblied auf den noch unverheirateten Babenberger, pries dessen Schönheit und Mildtätigkeit. Der Kaiser wurde neugierig und berief einen Hoftag nach Rom, an dem auch Leopold teilnehmen sollte. Auch die Tochter des Kaisers zeigte sich von dem jungen Mann beeindruckt, und der Kaiser gab ihr Leopold zum Mann. Noch in Rom wurde eine große Hochzeit begangen mit „Stechen und Tanzen“. Das Ganze ist eine nette Geschichte, die jeglicher historischen Grundlage entbehrt. Denn Heinrich III. starb bereits 1056; zwar waren Eheversprechen zwischen Kindern in dieser Zeit durchaus üblich, aber kaum hätte ein salischer Kaiser seine Tochter einem maximal 6jährigen Knaben angetraut. Andere Quellen behaupten, dass Ita aus dem Hause der Grafen von Formbach stammte, deren Herrschaft am Inn in Vornbach (heute ein Teil von Neuhaus am Inn) lag. Sie hatten Besitzungen rund um Wien und waren eifrige Unterstützer des Passauer Bischofs Altmann von Passau. Diese Herkunft scheint wahrscheinlich.   
Für Ita war das vielleicht nicht einmal die erste Eheschließung. Einige Forscher nehmen an, dass sie zuvor mit Haderich von Schwarzenburg vermählt war. Das aus der Oberpfalz stammende Geschlecht der Schwarzenburger hatte Besitzungen um Hadres im Waldviertel. In Urkunden – etwa im Stiftungsbrief des Klosters Göttweig von 1083 – wird der jüngere Haderich als „Markgraf“ tituliert, was den Schluss zulässt, dass es sich bei dem jüngeren Haderich um einen Halbbruder Leopolds III. handelt.
Die Zeiten waren unruhig; zwischen Heinrich IV. und dem Papst tobte ein mit Worten und Taten ausgefochtener Kampf um die Macht. Leopold schwankte – zeigte sich einmal papst- dann wieder kaisertreu. Schließlich schlug er sich endgültig auf die Seite des Papstes, was ihm nicht gut bekam. Heinrich IV. setzte Leopold als Markgrafen ab und berief Herzog Wratislaw von Böhmen als österreichischen Markgrafen. In der Schlacht bei Mailberg 1082 erlitt Leopold eine schwere Niederlage, konnte sich aber trotzdem als Markgraf behaupten.
Das junge Paar, das vermutlich vor 1072 geheiratet hatte, residierte zunächst in Melk; später verlegte Leopold II. seine Residenz von Melk nach Gars, um seine Besitzansprüche in diesem erst neu zu der Mark gekommenen Gebiet zu behaupten. In der Garser Burg, die man nicht mit der später von den Kuenringern errichteten Burg verwechseln darf, kamen die Kinder des Paares zur Welt: die Töchter Elisabeth, verheiratet mit dem Markgrafen Otakar II. von Steiermark; Gerberga mit Herzog Bořiwoy von Böhmen; Ida mit Luitold von Mähren und Znaim;  Sophie in erster Ehe mit Herzog Heinrich III. von Kärnten, in zweiter mit dem Grafen Sighard von Schala-Burghausen und schließlich Euphemia mit dem Grafen Konrad von Peilstein. Eine Tochter, Juditta, verstarb in jungen Jahren. Der einzige Sohn Leopold kam 1073 zur Welt. Als Leopold III. wurde er der Nachfolger seines Vaters und dann aufgrund seines Wirkens und  Lebens 1485 heiliggesprochen.
Ita wurde früh Witwe, denn Leopold II. starb bereits 1095. Sechs Jahre nach seinem Tod schloss sie sich einem kleinen Kreuzfahrerhaufen an, der 1101 im Anschluss an den Ersten Kreuzzug ins Heilige Land zog. Wien war immer Sammelpunkt für die aus Süddeutschland kommenden Teilnehmer. Dann zog man weiter quer durch das heutige Ungarn über Sirmium und Belgrad nach Konstantinopel. Ita zog in prominenter Gesellschaft: Auf den Weg ins Heilige Land machten sich auch Erzbischof Thiemo von Salzburg, Ulrich von Passau, Welf IV. von Bayern und Wilhelm IX. von Aquitanien. In Konstantinopel leistete sie angeblich so wie die anderen Fürsten dem byzantinischen Kaiser Alexios  einen Eid. Der weitere Zug ins Heilige Land erfolgte auf zwei Passagen: Ein Teil der Armee reiste per Schiff nach Palästina und kam dort an. Der andere Teil nahm den Landweg; unter diesen war auch Ita. Im September gerieten sie bei Heraklea in einen Hinterhalt. Nur wenigen gelang es zu entkommen. Auch Ita kam dabei vermutlich ums Leben. Spätere Legenden erzählen, sie sei von einem muslimischen Fürsten entführt worden und habe Imad-ad-Din Atabeg Zengi, den Eroberer von Edessa, zur Welt gebracht.    
 

Text: Dr. Elisabeth Vavra  

Quelle: Susanna Neukam, Die Frauen der Babenberger, Diplomarbeit, Universität Wien 2011.

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