Frauenportrait #6

© NÖ Museum Betriebs GmbH

#6 Elsa Plainacher, geb. Holtzgasser (um 1513-1583)
– ein Opfer des Hexenwahns


Zur Hinrichtung der Elsa Plainacher gibt es
keine Bildquelle. Das hier gezeigte Gemälde
zeigt die Hinrichtung der Hexe Maria Kropf
1675 zu Feldbach in der Steiermark.
Man kann sich leider nicht aussuchen, in welche Familie man hineingeboren wird. Elsas Voraussetzungen für ihr zukünftiges Leben waren denkbar schlecht. Zur Welt kam sie irgendwann um 1513 in einem kleinen Weiler in der Nähe von Melk; dort, wo die Pielach in die Donau mündet, stand die Mühle ihres Vaters, die er für das Kloster Melk als Hofmühle betrieb. Müller waren zwar notwendig für das Funktionieren der Versorgung, sie standen aber während des Mittelalters und der frühen Neuzeit immer am Rande der Gesellschaft. Man verdächtigte sie u. a. des Betruges; Mühlen galten aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage als Treffpunkt zwielichtigen Gesindels oder auch als Orte der Prostitution. Sie wurden wie Scharfrichter als Paria – Unberührbare – behandelt. Man mied ihre Gesellschaft. Söhne und Töchter von Müllern heirateten Partner, deren Väter ebenfalls Müller waren oder andere „unehrliche“ Berufe ausübten.

Elsa war eines von mehreren Kindern, deren Spuren sich aber alle bis auf die ihres Bruders  verlieren. Ihr Bruder Vitus – ein Schiffmann – wohnte später in Melk unter der „Schlachtprugge“. Ganz jung war Elsa noch, als sie von einem Gehilfen ihres Vaters geschwängert wurde. Das Kind blieb nicht lange am Leben. Dann heiratete sie einen Müller namens Paumgartner, der vermutlich früh starb, da sie sich ein zweites Mal verehelichte. Zwei Kinder bekam sie in dieser Ehe, den Sohn Achatius, der die Mühle des Vaters übernahm, und die Tochter Margareth.
Auch der zweite Mann Elsas starb. Sie ging noch eine Ehe ein; ihr dritter Mann namens Plainacher bewirtschaftete einen Hof in der Nähe von St. Pölten, vermutlich der Gschwendthof in der Gemeinde Rammersdorf, der der Grundherrschaft des Georg Achaz Mattseber zu Goldegg unterstand. 


Um 1550 ehelichte ihre Tochter Margareth den Bauern Georg Schlutterbauer aus Strannersdorf in der Gemeinde Mank. Zunächst ging alles gut. Drei Kinder kamen in rascher Reihenfolge – Catharina, Ursula und Hensel; nach zehn Jahren kam noch eine Nachzüglerin – Anna, die der Mutter das Leben kostete. Am Totenbett hatte Elsa ihrer Tochter versprochen, sich um den Säugling zu kümmern, da der Ehemann mehr in den Wirtshäusern zu finden war als am Hof  und im Suff zu Gewalttätigkeiten neigte. Binnen einem Jahr starben die drei älteren Kinder, die beim Vater verblieben waren, alle angeblich im Schlaf während der Nacht. Man geht wohl nicht fehl mit der Annahme, dass sie Übergriffen ihres Vaters zum Opfer fielen. Anna blieb zunächst bei ihrer Großmutter, die vermutlich bereits zu dieser Zeit zum Protestantismus übergetreten war – wir befinden uns gerade mitten in der Zeit der Reformation, in der sich große Bevölkerungsteile aller sozialen Schichten in Niederösterreich dem neuen Glauben zuwandten. 


Georg Schlutterbauer begann nun eine Verleumdungskampagne gegen seine Schwiegermutter. Er bezichtigte sie, ihr Enkelkind verhext zu haben, nachdem sie Anna schon vom rechten Glauben abgebracht hatte und mit ihr nur protestantische Gottesdienste besuchte. Mit seinen Beschuldigungen hatte er leichtes Spiel, da Anna etwas schwachsinnig war und überdies an krampfartigen Anfällen litt, vermutlich Epilepsie, deren Entstehen in der Vergangenheit oft mit dem Einwirken des Teufels erklärt wurde. Bei den Verhören, denen das junge Mädchen in der Folge unterzogen wurde, erzählte sie, ihre Großmutter hätte im Stall Schlangen mit Milch gefüttert. Sie berichtete auch über einen schwarzen zotteligen Mann, mit dem sie die Großmutter bekannt gemacht habe, vermutlich ein Freier, der sich für das Mädchen interessierte. Dreimal wurde an dem Mädchen ein Exorzismus vollzogen, in St. Pölten, in Mariazell und schließlich in Wien – ohne Erfolg. Da man natürlich auch ihren Schwachsinn bemerkt hatte, brachte man  das Mädchen im Wiener Bürgerspital unter. Schlutterbauer ließ von seinen Beschuldigungen nicht ab; schließlich nahm die  Behörde Elsa Plainacher Mitte 1583 fest und brachte sie nach Wien. Die Anklage lautete auf  zauberische Schädigung ihrer Enkelin, Giftmord an ihrem Mann und den anderen Schlutterbauer-Kindern. Die untersuchenden Ärzte und Priester konstatierten allerdings nur, dass die Frau alt und bei „schwachem Verstand“ sei. Man wollte sie nun auch in das Bürgerspital einweisen.
Aber es kam nicht dazu. Der aus Tirol stammende Hofprediger, der Jesuit Georg Scherer, hielt vor dem Stephansdom eine Predigt wider die Hexen und Elsa Plainacher im Besonderen. Mit seiner Predigt hetzte er das Volk derart auf, dass es die Folterung  der vermeintlichen Hexe verlangte. Die ersten Foltern überstand die alte Frau, bei der dritten gestand sie schließlich ihr Bündnis mit dem Teufel und Hexenflüge auf den Ötscher. Sie wurde zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Am 27. September 1583 wurde sie auf ein Brett gebunden und zur Hinrichtungsstätte auf der Gänseweide – heute die Kreuzung Weißgerberlände-Kegelgasse – geschleift. Ihre Asche wurde in die Donau gestreut. Elsa Plainacher war die einzige Hexe, die in Wien auf dem Scheiterhaufen den Tod fand. In Wien Donaustadt wurde eine Gasse nach ihr benannt.


Text: Dr. Elisabeth Vavra

Quelle: Anita Lackenberger, Ein teuflisches Werk. Die Torturen der Hexe von Wien, Folterprotokoll 1583. Linz 1988; Anna Ehrlich, Hexen, Mörder, Henker. Die österreichische Kriminalgeschichte. Wien 2006.

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