Frauenportrait #33

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Bertha von Suttner

Bertha von Suttner
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Wer kennt sie nicht, die erste weibliche Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner? Von 1966 bis 1983 blickte man ihr in die Augen, wenn man eine 1000 Schilling Banknote in die Hand nahm. Weitaus häufiger bekommen wir sie heute zu Gesicht, ziert ihr Bild doch in Österreich die 2-Euro-Umlaufmünze.
Aber was wissen wir wirklich von ihr? Hand aufs Herz, wer von uns hat schon einmal ihr Buch „Die Waffen nieder“ in der Hand gehabt oder sogar darin gelesen? Ungewöhnlich wie der Umstand, dass sie, obwohl eine Frau, 1905 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, ist auch ihr Leben.

Am 9. Juni 1843 kam sie als Bertha Sophia Felicita in Prag als Halbwaise zur Welt. Ihr Vater, der k. k. Feldmarschallleutnant Franz Michael Graf Kinsky, war noch vor ihrer Geburt im Alter von 75 Jahren verstorben. Ihre Kindheit und Jugend glichen der anderer adeliger Töchter: Sie genoss die übliche Erziehung, lernte mehrere Sprachen und begleitete ihre Mutter auf deren Reisen. Das Blatt wendete sich, als ihre Mutter Sophie Wilhelmine, geb. Körner, an der Spieltischen der Monarchie das Erbe endgültig bis auf den letzten Heller verspielt hatte. Als Tochter aus gutem Haus hatte Bertha nie einen Beruf erlernt, an Geld für eine Aussteuer und Mitgift hatte es immer gemangelt, so trat sie 1873 eine Stelle als Gouvernante bei Freiherr Karl Gundakar Ritter von Suttner in Wien an, der auch über Besitzungen in Niederösterreich verfügte, so gehörte ihm etwa das Schloss Zogelsdorf und die Herrschaft Harmannsdorf. Bertha sollte dessen vier Töchter unterrichten. In der Familie gab es aber nicht nur Töchter, es gab auch Söhne. Zwischen dem jüngsten – Arthur Gundakar – und der Gouvernante erwachten Gefühle: ein Ärgernis, nicht nur weil sie eine Angestellte war, sondern auch und vor allem deshalb, weil ein Altersunterschied von sieben Jahre sie trennte – und Bertha war die ältere! Auch heute zählt eine solche Verbindung eher zu den Ausnahmen.

Quelle: OeNB; Weiter Schilling-Banknoten (1945-2001)
http://bit.ly/1mXLOpI
Um eine Vertiefung der Beziehung zu verhindern, entließ die Hausherrin die Gouvernante und vermittelte ihr eine Anstellung als Privatsekretärin bei Alfred Nobel in Paris. Allerdings dauerte das Arbeitsverhältnis nur zwei Wochen, da Nobel in seine Heimat Schweden zurückkehrte. Bertha kam nach Wien zurück. Am 12. Juni 1876 heirateten die Liebenden heimlich, was die Enterbung zur Folge hatte. Für acht Jahre fand das Ehepaar Zuflucht in Georgien am Hof der Fürstin Ekatarina Dadiani von Mingrelien, die Bertha bei einem ihrer Aufenthalte in Bad Homburg kennen gelernt hatte. In Georgien begannen beide sich als Schriftsteller zu betätigen: Bertha von Suttner schrieb – noch unter dem männlichen Pseudonym B. Oulot – für österreichische Zeitschriften Essays und Kurzgeschichten, ihr Mann verfasste Berichte über den Russisch-Türkischen Krieg, der 1877 ausgebrochen war. 1885 kehrten beide nach Österreich zurück. Es kam zu einer Aussöhnung mit der Familie, und das Ehepaar zog nach Gut Harmannsdorf, dem Familienschloss der Suttners, in der Nähe von Eggenburg gelegen.

Nach ihrer Rückkehr in die Heimat blieb Bertha von Suttner weiterhin schriftstellerisch tätig. Mit dem 1889 veröffentlichten Roman „Die Waffen nieder“ wurde sie eine der Gallionsfiguren der Friedensbewegung. Mit diesem Werk liefert sie uns auch ein Sittengemälde ihrer Zeit: Die Heldin des Romans, Gräfin Martha Althaus, verkörpert die typische Tochter aus adeligem Haus. Im Sinne eines klassischen Entwicklungsromans löst sie sich im Lauf der Geschichte langsam aus dem konservativen Gedankengut ihres Elternhauses und wird zur glühenden Pazifistin und Anhängerin Darwins, so wie Bertha von Suttner. Der Roman wurde in zwölf Sprachen übersetzt und erschien in 37 Auflagen, vielleicht auch deshalb, weil er nicht ein politisches Manifest präsentierte, sondern das von vielen in dieser Zeit erlittene Schicksal einer Frau, die ihren ersten Mann im Krieg verliert und ihre Verwandten durch die Choleraepidemie, die als Folge eines Krieges auftrat.
In der Folge beteiligte sich Bertha von Suttner aktiv an vielen der sich in Europa konstituierenden Friedensvereine. 1891 forderte sie in einem Artikel in der „Neuen Freien Presse“ die Gründung einer „Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde“. Sie wurde deren erste Präsidentin und blieb dies bis zu ihrem Tod 1914. Anlässlich des Weltfriedenskongresses in Rom wurde sie 1891 zur Vizepräsidentin des „Internationalen Friedensbüros“ gewählt. 1892 gründete sie die „Deutsche Friedensgesellschaft“. 1899 war sie an den Vorbereitungen zur „Ersten Haager Friedenskonferenz“ in Den Haag beteiligt. Daneben setzte sie sich auch für den Tierschutzgedanken ein. In dem 1898 erschienenen Werk „Schach der Qual“ trat sie entschieden gegen Tierversuche ein.
Ihr Privatleben verlief nicht ganz so positiv. 1889 war die Nichte ihres Gatten, die sechzehnjährige Marie von Suttner, in ihren Haushalt eingezogen. Zwischen dem blutjungen Mädchen und ihrem 39jährigen Onkel entwickelte sich eine Liebesbeziehung, die bis zu dessen Tod 1902 andauerte und Bertha von Suttner schwer verletzte.

Nach dem frühen Tod des Ehemannes musste das Gut wegen Überschuldung versteigert werden. Bertha von Suttner nahm ihren Wohnsitz wieder in Wien. In den kommenden Jahren finden wir sie auf Reisen zu Kongressen der Friedens- und Frauenbewegungen. So war sie 1904 die prominenteste Teilnehmerin auf der „Internationalen Frauenbewegung“ des Frauenweltbundes in Berlin. Sie reiste für sieben Monate in die Vereinigten Staaten, nahm am Weltfriedenskongress in Boston teil, reiste von Stadt zu Stadt und hielt bis zu drei Vorträge täglich. Sie wurde auch von Theodor Roosevelt empfangen. Eine Krönung erfuhren ihre Aktivitäten durch die Zuerkennung des von ihr angeregten Friedensnobelpreises, den sie am 18. April 1906 in Kristiania in Empfang nehmen durfte.
In den ihr noch verbleibenden Lebensjahren warnte sie vor der Aufrüstung, die in allen Ländern Europas erschreckende Ausmaße annahm. Die zweite Friedenskonferenz 1907 in Den Haag beschäftigte sich schon mehr mit der Regelung des Kriegsrechts und versuchte erst gar nicht, einen Weg zu einem friedvollen Miteinander zu finden. Bertha von Suttner sah dies alles mit großer Besorgnis und mahnte auf ihren Vortragsreisen, die sie u.a. auch wieder in die Vereinigten Staaten führten, vor der Gefahr eines internationalen Vernichtungskrieges. Wie Recht sie mit diesen Warnungen hatte, musste sie nicht mehr erleben. Sie starb am 21. Juni 1914, wenige Tage vor dem Attentat von Sarajewo.
Wenn Sie einmal Zeit und Muße haben: Sie finden den Roman „Die Waffen nieder“ online unter: gutenberg.spiegel.de/buch/die-waffen-nieder-2594/1.

Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra

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