Frauenportrait #32

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Liese Prokop – von der Sportlerin zur Politikerin

Grundsteinlegung Landesmuseum (Ausschnitt)
am 15.9.2000, Foto NLK Isensee
Ihre ersten Lebensjahre verbrachte Liese Sykora in Korneuburg. Nach dem Krieg übersiedelte die Familie nach Tulln. Ihr Vater Dr. Hans Sykora wurde später Bezirkshauptmann. In Tulln besuchte sie wie ihre Geschwister die Volksschule und das Gymnasium. Nach ihrer Matura 1959 begann sie mit einem Studium an der Universität Wien in den Fächern Biologie  und Sportwissenschaften. Nach acht Semestern musste sie ihr Studium allerdings abbrechen, da ihr Vater plötzlich einem Schlaganfall erlegen war und die kinderreiche Familie – sie waren sieben Geschwister – finanzielle Probleme bekam. Fortan arbeitete sie als Skilehrerin in Annaberg und betreute Schulklassen als Schilehrerin.


Noch während ihres Studiums begann ihre sportliche Karriere: 1961 wurde sie Staatsmeisterin im Hochsprung und brach mit 161 cm den geltenden österreichischen Rekord. 1964 steigerte sie sich auf 164 cm und schaffte so das Limit für die Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Tokio. Ihr Trainer war Gunnar Prokop, den sie 1965 ehelichte. Ihre sportlichen Ambitionen lebte sie nicht nur in einer Sportart aus. Insgesamt wurde sie 50fache Staatsmeisterin in den unterschiedlichsten leichtathletischen Disziplinen, so im Fünfkampf, im Weitsprung, im Hochsprung, im Hürdenlauf, in der Staffel und im Kugelstoßen. Bei der Universiade in Tokio 1967 wurde sie Weltmeisterin. Auch bei Olympischen Spielen trug sie sich in die Liste der Siegerinnen ein: In Mexiko City 1968 gewann sie die Silbermedaille im Fünfkampf. 1969 gelang ihr der Weltrekord im Fünfkampf mit 5.089 Punkten, den sie im selben Jahr noch auf 5.352 Punkte verbesserte. Als sie diese Rekorde aufstellte, war sie bereits Mutter. Denn 1966 kam ihre erste Tochter Karin zur Welt. 1970 folgte der erste Sohn, Gunnar und 1979 der zweite, Eric.

Liese Prokop gab sich nicht mit ihrer sportlichen Tätigkeit zufrieden. 1969 zog sie als jüngste Abgeordnete in den Niederösterreichischen Landtag ein. 1981 bestellte sie Landeshauptmann Siegfried Ludwig zur Landesrätin für Sport, moderne Kunst, Soziales sowie Jugend- und Familienangelegenheiten. Als erste Frau Österreichs wurde sie 1992 zur Landeshauptmann-Stellvertreterin berufen. Während ihrer Arbeit setzte sie sich immer für die Gleichstellung der Frauen an und betrat damit Neuland. Sie setzte sich für Gewaltschutz ein, förderte das Mentoring und schuf neue Einrichtungen im Land. So gehen auf ihre Initiative  das Niederösterreichische Frauenreferat und die Gleichbehandlungskommission zurück.  2004 wechselte sie in die Bundespolitik. Wolfgang Schüssel berief sie in sein Kabinett als erste Innenministerin Österreichs. Ihre Angelobung erfolgte am 22. Dezember 2004. Auch auf der internationalen Bühne der Politik behauptete sie sich als Frau: Als erste Frau wurde sie 2000 zur Präsidentin der Versammlung der Regionen Europas gewählt und 2002 für eine weitere Periode in diesem Amt bestätigt.

Franz Rupp und Liese Prokop 2004 bei einer 
Veranstaltung des Kulturbezirks St. Pölten,
Foto: Helmut Lackinger
Ihr Tod kam völlig unerwartet. Am 31. Dezember 2006 verstarb Liese Prokop auf dem Weg ins Krankenhaus. Im Gedenken an ihre Leistungen stiftete das Land Niederösterreich den Liese-Prokop-Frauenpreis, der seit 2007 in den Kategorien Wirtschaft, Kunst, Kultur und Medien,  Wissenschaft sowie Soziales und Generationen vergeben wird. Der Österreichische Integrationsfonds vergibt jedes Semester das Liese Prokop Stipendium an sozial bedürftige Studierende mit Migrationshintergrund, die sich im Vorstudienlehrgang oder im ordentlichen Studium befinden oder ihr im Herkunftsland absolviertes Studium in Österreich nostrifizieren lassen.

Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra

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