Egon Schiele Museum

Was macht das Spielzeug in der Winterpause?

Das Schiele Museum Tulln präsentiert neben den Ölbildern und Grafiken von Egon Schiele immer auch historische Spielzeuge, die den Bezug zu seiner Kindheit, dem Aufwachsen in einem Bahnhofsgebäude und seiner Faszination für Technik herstellen. Zusätzlich bieten diese „bespielten“ Spielsachen die Möglichkeit, sich in die Zeit der Jahrhundertwende hinein zu versetzen.
Da das Schielemuseum in der Wintersaison (November bis März) schließt, wurde neben den
Werken auch das Spielzeug Ende Oktober 2014 abgebaut, konservatorisch betreut und fachgerecht gelagert. Wie das funktioniert, wird hier beschrieben.

1) ABHOLUNG UND TRANSPORT

Im Zuge des Abbaus werden sämtliche Objekte protokolliert, d.h. ihr gegenwärtiger Zustand wird kontrolliert und beurteilt, um etwaige Veränderungen durch den Transport und die Präsentation festzuhalten.
Ein zeichnender Clown aus Eisenblech
auf einem Säckchen aus Tyvek, einem Vlies
aus Polyethylen, der keine Reibung verursacht
Das Spielzeug wird mit Seidenpapier und Luftpolsterfolie verpackt und in ausgepolsterten Kisten rutschsicher verstaut. Unterstützend werden für Werke mit beweglichen Teilen Säckchen – gefüllt mit Styropor –benutzt, da sie Halt geben, flexibel sind und Erschütterungen auffangen.
Im Depot werden die Spielzeuge wieder nach und nach ausgepackt. Ihr Zustand wird erneut kontrolliert, um feststellen zu können, ob es an den Objekten Veränderungen durch die Präsentation oder den Transport gegeben hat.





2) ZUSTANDSERFASSUNG UND KONSERVATORISCHE BETREUUNG

Allgemein ist zu sagen, dass die ausgewählten Spielzeuge aus den unterschiedlichsten Materialien bestehen. Neben Textilobjekten (Teddybären, Puppen) finden sich auch technische Spielzeuge aus Metallblech (Eisenbahnen, Autos, Busse und Kutschen) oder Spielzeug aus Papier und Holz (Gesellschaftsspiele, Konstruktionsspiele, Bausteine). Besonderheiten sind optisches Spielzeug wie Guckkästen.


Lackiertes Metallspielzeug hat meist folgende Schäden:
   -  Korrosionserscheinungen (oft hervorgerufen durch Fingerabdrücke)
   -  Fehlstellen im Lack, lose aufliegender Lack,
   -  Verformungen mechanischer Teile (Achsen etc.),
   -  Schmutz- und Staubauflagen, die sich mit der Zeit mit der Lackoberfläche verbinden, somit
      nicht mehr vollständig entfernbar sind und Nährboden für Mikroorganismen bilden
   -  verfärbter, ausgeblichener Lack

Abb. links: Korrosion an einem ehemaligen Fingerabdruck - Abb. Mitte: Fehlstellen innerhalb der Lackschicht und Verfärbung des Lackes aufgrund von Lichteinwirkung - Abb. rechts: Enzymatische Reinigung der Lackoberfläche

Je nach Schaden müssen die Objekte nun konservatorisch behandelt werden:
   -  Trockenreinigung
   -  Reinigung mit speziellen Lösemitteln
   -  Festigung der Lacke
   -  Reduzierung der Korrosionen


Spielzeuge mit textilen Elementen (Puppen und Teddybären) sind aufgrund ihrer empfindlichen Materialien besonders stark gealtert und haben folgende Schäden:
   -  Abrieb, Deformierungen, Knicke, Brüche der Textilflächen und Dekorelemente
   -  Teilweise Verformung oder Ausfransung von Schmuckborten, Maschen oder Bändern
   -  ausgebleichte Stoffe

Abb. links: Gesamtansicht einer Marotte aus Porzellan, Holz und div. Textilien - Abb. Mitte: Die verformte Rückseite des Puppenhutes im Detail - Abb. rechts: Entfernung von Fasern und Partikeln von der Stoffoberfläche mit Hilfe einer Pinzette

Neben der Trockenreinigung mit Pinsel, Pinzette und Staubsauger steht hier die optimale Lagerung im Vordergrund.


Gesellschaftsspiel mit deutlichen Gebrauchsspuren
Spielzeug aus Papier und Holz zeigt vor allem Abnutzungs- und Gebrauchsspuren:
   -  Abrieb, Risse, Fehlstellen, aufstehende
      Bereiche, lose Teile (an Ecken, Kanten und
      Gelenken)
   -  Flecken, Verfärbungen und Staub-
      ablagerungen
   -  durch Licht ausgebleichte Stoffe



Mit Japanpapier gesicherter Bereich während der Bearbeitung
Im Vordergrund steht auch hier die trockene Reinigung mit Pinsel, Staubsauger und speziellen Reinigungsschwämmen. Sich lösende Papierteile werden mit Weizenstärkekleister wieder verklebt, wenn Teile fehlen und das Objekt dadurch gefährdet ist, werden diese Stellen mit Japanpapier gesichert.





Optisches Spielzeug (siehe Abbildung im nächsten Absatz) ist vor allem durch Staubablagerungen, Licht und schlechtes Raumklima gefährdet.


3) LAGERUNG UND AUSSTELLUNG

Entsprechend der Ergebnisse der Schadenserfassung werden einige der Spielzeuge für den Wiederaufbau der Ausstellung im März 2015 ausgetauscht. Die alten Ausstellungsobjekte werden im Spielzeugdepot des Kulturdepots St. Pölten eingelagert. Auf Grund der Materialvielfalt ist dieses sogenannte „Mischdepot“ klimatisch auf eine relative Luftfeuchtigkeit von 45 - 50 % reguliert, so dass Materialien weder durch zu trockene Luft spröde werden können (Textilien, Papiere) noch durch zu feuchte Luft Korrosion gefördert werden würde (Metalle). Als weitere Präventionsmaßnahme wird besonderes Augenmerk auf die eingesetzten Lagermaterialien gelegt.



Optisches Spielzeug (Diagucker)
Die neu ausgewählten Objekte für die Ausstellung werden vor dem Transport zum Museum ebenfalls
protokolliert und bei Bedarf wie oben beschrieben bearbeitet. Gegebenenfalls werden die Spielzeuge für die Ausstellung so angepasst, dass sie besser geschützt sind. Beim optischen Spielzeug wird z.B. der Negativstreifen mit einem Spezialkarton abgedeckt, da ein Betrachten des Bildes in dieser Form nicht möglich ist. Nach dem Transport zum Schiele-Museum wird erneut protokolliert.


Auch im Schiele-Museum wird auf die Umgebungsbedingungen geachtet. Die Objekte werden mit Spots so ausgeleuchtet, dass sie möglichst wenig Licht ausgesetzt werden und Lichtschäden weder entstehen noch verschlimmert werden. Die Ausstellungsräume sind auf eine relative Luftfeuchtigkeit von ca. 50% eingestellt und werden regelmäßig überprüft. In der Ausstellungsarchitektur verwendetes Holz oder Textilien können z.B. Schädlinge wie Motten anziehen. Dies gilt es während der Ausstellung sowie beim Abbau genauestens zu beobachten und zu überprüfen.


Text: Dipl.-Rest. (Univ.) Franziska Butze-Rios und Mag. Art. Eleonora Weixelbaumer
Bilder: © Land Niederösterreich, Landessammlungen Niederösterreich 
Foto: Mag. Art. Eleonora Weixelbaumer, Dieter Peschl


Das Team der Konservierung & Restaurierung
(Kunstsammlung der Landessammlungen Niederösterreich):
Dipl.-Rest. (Univ.) Franziska Butze-Rios, Restauratorin für Kunst auf Papier, Fotografie und Digitale Medien
Dipl.-Rest. (Univ.) Christina Schaaf-Fundneider, Restauratorin für Gemälde und Präventive Konservierung
Mag. Christa Scheiblauer, Restauratorin für Gemälde und Präventive Konservierung (derzeit in Karenz)
Martin Sellner, Art Handling und Facility Management
Huberta Trois, Restauratorin für Historische Rahmen und Art Handling
Mag. Eleonora Weixelbaumer, Restauratorin für dreidimensionale Objekte

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