Die Gottesanbeterin

© Fotos: Flora Bittermann bzw. Oothek von Wikipedia

Das betende Insekt

Die Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist zum Insekt des Jahres 2017 gekürt worden. Die Ernennung soll auf das besondere Tier und seine Ausbreitung in Zusammenhang mit dem Klimawandel aufmerksam machen. Ihren besonderen Namen verdankt sie der Haltung ihrer vergrößerten eingeklappten Vorderbeine, die zu Fangarmen umgewandet sind. Dabei schaut die Gottesanbeterin aus, als ob sie beten würde. Mantis bedeutet soviel wie „Seherin“ oder „Wahrsagerin“.

Ursprünglich stammt diese Art aus Afrika, ist aber neben dem Mittelmeerraum seit einigen Jahren in Teilen Österreichs, wie Niederösterreich, Steiermark, Kärnten oder dem Burgenland anzutreffen. In Mitteleuropa ist das Insekt die einzige Vertreterin der Fangschrecken. Ausgesprochen wohl fühlen sich Gottenanbeterinnen an sonnigen, trockenen, insektenreichen Flächen und Buschlandschaften.

Tarnen und Warnen

Besonders gut erkennen kann man die Gottesanbeterin an ihrem dreieckigem Kopf und der länglichen Körperform. Obwohl sie wie der Großteil aller Insekten mit Flügeln ausgestattet sind, zählen sie nicht zu den fähigsten Fliegern. Vor allem die weiblichen Gottesanbeterinnen verlassen sich aufgrund dessen eher auf ihre sechs Beine zur Fortbewegung. Als perfekte Anpassung an die Umgebung, kann die Gottesanbeterin nach jeder Häutung eine unterschiedliche Färbung annehmen. Nur schwer von ihrem Untergrund zu unterscheiden, zählt sie du den erfolgreichsten Lauerjägern unter den Insekten.

Um von der Jägerin selbst nicht zur Gejagten zu werden, täuscht sie geschickt ihre Angreifer. Dabei stellt die Gottesanbeterin ihren Körper leicht auf und breitet ihre Flügel aus. Zischende Geräusche beim Öffnen dieser und das Präsentieren der beiden Augenflecken, die sich auf der Inneseite ihrer Fangbeine befinden, lassen sie größer und gefährlicher wirken. Man spricht bei dieser Überlebenstaktik von „Mimikry“.

Schneller als Sie blinzeln können

Ihr Fangarme, die sie zum Ergreifen der Beute blitzschnell einsetzen kann, sind mit großen Dornen besetzt. Seelenruhig schleicht sich das gut getarnte Insekt an ihr Opfer heran, bis es sich in unmittelbarer Nähe befindet und fixiert es mit ihren großen, für Insekten typischen, Facettenaugen. Im Bruchteil einer Sekunde ergreift sie ihre Beute und klemmt diese zwischen ihren messerscharfen Fangarmen ein. Für das Beutetier gibt kein Entkommen mehr. Verglichen mit dem Lidschlag eines menschlichen Auges, ist der Fangschlag der Mantis religiosa um das Sechsfache schneller. Die Hauptnahrung der Gottesanbeterin besteht zwar aus Insekten, doch hin und wieder werden auch kleine Frösche, Eidechsen oder andere kleine Wirbeltiere erbeutet. Das Tier wird mit den Mundwerkzeugen auseinandergenommen und bei lebendigem Leibe verzehrt.

„Paarung mit Biss“

Bekannt ist diese Fangschreckenart auch für ihr außergewöhnliches Paarungsverhalten. Um sich mit einem Weibchen zu paaren, nähert sich das Männchen langsam an und springt auf den Rücken seiner Partnerin, wobei diese dabei mit den Fangbeinen geklammert wird. Selten aber doch kann es vorkommen, dass das Männchen nach der Paarung von dem wesentlich größeren Weibchen kopfabwärts verspeist wird. Die meisten Männchen bleiben nach dem Liebesakt jedoch verschont, sofern sie schnell wieder das Weite suchen.

Wenige Tage nach der Paarung ist das Weibchen bereit für die Eiablage. Die bis zu 200 Eier werden in einer Oothek, dem Eigelege, meist an Pflanzenstrukturen oder an Steinen befestigt. Das Gelege besteht aus einer erhärtenden Schaummasse, welche vor Fressfeinden, Austrocknung und Überhitzung schützt. Im Gegensatz zu erwachsenen Tieren kann der im Frühjahr schlüpfende Nachwuchs die kalte Jahreszeit überdauern. Nach jeder Häutung wachsen die zu Beginn nur 6 Millimeter großen Larven ein kleines Stück, bis die Weibchen schließlich eine Länge von 75 Millimeter und die Männchen um die 60 Millimeter erreichen. Sie bleiben als Erwachsene also deutlich kleiner als die Weibchen. Nach der letzten Häutung sind die Insekten vollständig entwickelt.

In Niederösterreich wird die Gottesanbeterin zu den streng geschützten Tierarten gezählt. Begünstigt durch den Klimawandel ist eine weitere Ausbreitung der Mantis religiosa festzustellen. Das Insekt des Jahres 2017 ist für den Menschen weder giftig noch gefährlich. Die Mantis religiosa ist ein schützenswertes Tier und man kann sich durchaus glücklich schätzen, wenn man diesem Insekt in freier Wildbahn begegnet.

Kung Fu Mantis?!

Sogar in der Kampftechnik findet die Gottesanbeterin ihren Platz. Durch „The praying manits style“ wird im Kung Fu der Perfektion der Beutegewinnung der Gottesanbeterin gedacht.

 

Quellen:

BELLMANN Heiko (2014): Welches Insekt ist das? Franckh Kosmos Verlag
ZAHRADNIK Jiri (2009): Der Kosmos-Insektenführer, Franckh Kosmos Verlag

http://naturschutzbund.at/insekt-leser/items/id-2017-gottesanbeterin.html
http://www.nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at/Gottesanbeterin.html
https://www.nabu.de/news/2016/11/21589.html
http://www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/natur_und_artenschutz/natur_erleben/g/gottesanbeterin/

Text: Katharina Stefan

Fotos: Titelbild und Bild mit Häutung von Flora Bittermann, Oothek von Wikipedia

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