Bräuche der Advent- und Weihnachtszeit

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Barbarzweige

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Am 4. Dezember, dem Gedenktag der Hl. Barbara, werden gerne Zweige von prächtig blühenden Bäumen oder Sträuchern abgeschnitten und in Vasen gesteckt. Der Brauch geht auf eine Legende zurück, nach der die Hl. Barbara, eine frühchristliche Märtyrerin, auf ihrem Weg in das Gefängnis an einem Zweig hängengeblieben sein soll. Sie nahm den Zweig mit und wässerte ihn ein. Genau am Tag ihrer Verutreilung zum Tod soll der Zweig geblüht haben. Mit dem Blühen der Barbarazweige am Heiligen Abend verbanden sich verschiedene, regional unterschiedliche Orakel: Meist wurde das Blühen der Barbarazweige mit einer bevorstehenden Hochzeit in Verbindung gebracht oder auch der richtige Bräutigam konnte damit eruiert werden: Die einzelnen Zweige verschiedenen Verehrern zugeordnet, deutet der zuerst blühende Zweig auf den „Mister Right“.

Raunächte

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Um die Raunächte ranken sich viele Erzählungen und Bräuche. So vielfältig wie das Brauchtum rund um diese längsten Nächte des Jahres sind auch die Erklärungen für deren Bezeichnung: Entweder geht das Wort auf das Mittelhochdeutsche „ruch“ , was soviel wie haarig bedeutet, zurück und meint damit die zottigen Gesellen, die etwa in der Vorstellung der „wilden Jagd“ in den Raunächten eine Rolle spielen. Eine andere Erklärungsmöglichkeit liegt in dem Brauch, an diesen Raunächten mit Weihrauch durch das Haus zu ziehen. In unseren Breiten werden die Raunächte als Nächte zwischen dem Heiligen Abend und Epiphanie, besser bekannt als Drei-Königs-Tag, angesehen. Die Besonderheit dieser Nächte zeigt sich auch im Wort Weihnachten, das im Mittelalter als Plural gebraucht, die geweihten Nächte zwischen Heiligem Abend und Epiphanie bezeichnet.
 

Ausrauchen

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David Lovere

Wahrscheinlich gegen Ende des Mittelaters hat sich der Brauch herausgebildet, in den Raunächten die Wohnungen und Ställe mit Weihrauch zu beräuchern. Verbunden damit ist die Austreibung böser Geister sowie das Erflehen göttlichen Schutzes. Wo dieser Brauch in Niederösterreich noch begangen wird, so werden heutzutage am Heiligen Abend, zu Silvester und am 5. Jänner mit Weihrauch und Weihwasser die einzelnen Wohn- und Wirtschaftsräume beräuchert. Zu diesem mit Gebet begleitetem Zug durch und um das Haus versammelt sich die ganze Familie. Eine Besonderheit ist das „Rauch-Beten“ am Vorabend von Heiligen Drei Könige, die der Tradition nach dem neugeborenen Christuskind auch Weihrauch gebracht haben sollen. Dabei versammelt sich die Familie nach dem Ausrauchen zum Gebet rund um das Weihrauchfaß.



 

„Sampa-Müch“

Dieser Brauch ist nur in einigen Gegenden in Niederösterreich bekannt, hierbei besonders im Mostviertel. In der letzten Raunacht, sprich von 5. auf den 6. Jänner, wird der Heuboden gekehrt als Vorbereitung auf den Tanz der „Sempa-Muatta“ mit ihren Geißlein. Dem Brauch nach ist es streng verboten, in der Nacht Nachschau auf das wilde Treiben zu halten, da man sonst erblindet. Eine Analogie findet diese Erzählung in der auch in den Raunächten bekannten „wilden Jagd“. Ihren Ursprung hat die Gestalt der „Sampa-Muatta“ in heidnischen Vorstellungen von weiblichen Gottheiten, hierbei besonder von Ambeth, einer lebengebenden Frauengöttin. Daher gibt es im süddeutschen Raum auch den Brauch des „Sempa-Laufens“, bei dem junge Frauen zur Steigerung der Fruchtbarkeit mit der Lebensrute „geschlagen“ werden. Verbunden mit der „Sempa-Muatta“ ist die „Sempa-Müch“: Klein geschnittenes Brot oder Semmeln werden mit warmer Milch übergossen und von der ganzen Familie aus einer großen Schüssel gegessen. Die verwendeten Löffel werden über Nacht in einen kleinen übrig gelassenen Rest der „Sampa-Müch“ gesteckt und wer am Morgen am meisten Rahm auf dem Löffel hat, der gilt als der Reichste im Haushalt das ganze Jahr über.

Text: Dr. Johannes Kritzl

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