Bader, Medicus, Primar #8

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Der Februar - ein „heilsamer“ Monat

Schon in den alten Hochkulturen beschworen Priester im Krankheitsfall Gottheiten durch Gebet und Sühnezeremonien, um den Menschen zu helfen. Sie legten Hände auf, berührten die Leidenden mit Symbolen der Gottheit oder ließen in ihren Tempeln den religiösen Akt des Heilschlafes vollziehen.
Mit der Ausbreitung der christlichen Heilslehre trat an die Stelle des Tempelschlafes der Kirchenschlaf, vor dem die Gläubigen Beichte und Buße ablegten. An die Stelle der antiken Götter traten nun Märtyrer und Bekenner, die im Krankheitsfall angerufen wurden, zu deren Grabstätten man pilgerte und um deren vorbeugenden Segen die Christenheit bat.
Der Monat Februar ist besonders reich an solchen Krankheitspatronen, deren gesamte Zahl nahezu unüberschaubar ist. Er beginnt am 3. Februar mit dem Fest des heiligen Blasius, der vor Halskrankheiten und anderen Übel bewahren soll:
Hl. Blasius - Stift Seitenstetten,
Sammlungen (© IMAREAL)
„Auf die Fürsprache des heiligen Bischofs und Märtyrers Blasius befreie und bewahre Dich der Herr vor Halskrankheiten und anderen Übel“ So formuliert ein Blasius-Segen aus dem 16. Jahrhundert. Die Wortwahl macht deutlich, dass die Heiligen von den Gläubigen „nur“ als Fürsprecher eingesetzt wurden. Der oder die Heilige vollzog das Wunder nicht selbst, sondern er/sie vermittelte die Heilung bzw. bekam durch Gott die Kraft verliehen, eine Heilung und damit ein Wunder zu vollziehen.
Der heilige Blasius gehört zu der Gruppe der frühen, historisch nicht fassbaren und nur in Legenden überlieferten Heiligen. Er soll als angesehener Arzt im 3. Jahrhundert in Armenien gelebt haben. Er wurde Bischof in seiner Heimatstadt Sebaste und wurde während der Christenverfolgungen eingekerkert. Während seines Gefängnisaufenthaltes rettete er durch sein Gebet ein Kind, dem eine Fischgräte im Hals stecken geblieben war, vor dem Erstickungstod. 316 erlitt Blasius auf Befehl des Statthalters das Martyrium. Er wurde enthauptet.
Aus der Legende um die verschluckte Fischgräte leitet sich seine Funktion als Fürsprecher bei Halskrankheiten ab. Als solcher wird er im Orient bereits im 6. Jahrhundert verehrt. Reliquien des Heiligen kamen nach benediktinischer Tradition  über Rom 855 in das auf einer Rheininsel gelegene Kloster Rheinau (Kanton Zürich), das zum Mutterkloster des Benediktinerklosters St. Blasien im Schwarzwald wurde. 972 gelangten Reliquien des Heiligen, darunter sein Kopf, die Arme, ein Bein und Teile des Halses, nach Dubrovnik. So wurde der Heilige zum Patron dieser Stadt. Die heute kostbar gefassten Reliquien sind im Dommuseum zu Dubrovnik zu sehen.
Am 3. Februar wird in den Kirchen mit zwei gekreuzten oder miteinander verflochtenen Kerzen der Blasius-Segen erteilt.
Hl. Agatha - Fresko in der Spitalskirche zu
Waidhofen an der Ybbs (© IMAREAL)
Ebenfalls im 3. Jahrhundert lebte Agatha, deren Fest die katholische und die orthodoxe Kirche am 5. Februar feiert. Sie lebte in Catania auf Sizilien. Als sie die Werbungen des Landpflegers Quintianus nicht erhörte, da sie ihre Jungfräulichkeit als Gott geweihte Jungfrau bewahren wollte, ließ er sie in ein Freudenhaus verschleppen. Als der Aufenthalt dort nichts fruchtete, wurde sie verurteilt und auf vielfältige Weise gemartert. So wurden ihr die Brüste mit Klauen zerfleischt und abgeschnitten; Petrus in Begleitung von Engeln pflegte sie des Nachts im Kerker. Schließlich wurde sie auf glühenden Kohlen verbrannt. Ihr Martyrium machte sie prädestiniert als Helferin bei Brustleiden angerufen zu werden. 
Als ein Jahr nach ihrem Tod der Ätna ausbrach, zog die Bevölkerung von Catania mit dem Schleier der Heiligen gegen den Lavastrom, der die Stadt bedrohte, und er kam zum Stillstand. Die heilige Agatha ist seitdem die Schutzpatronin von Catania, deren Fest mit einer großen Prozession begangen wird. In manchen Gegenden der Schweiz, Süddeutschlands und Österreichs wird Agathenbrot in Form kleiner Brüste gebacken und am 5. Februar oder am Vorabend gesegnet. Es soll vor Fieber und Krankheiten der Brust schützen. Dem Vieh wurde es vor dem Almauftrieb gefüttert. Krumen der Brote wurden in die Ecken der Häuser gestreut, um diese vor Feuer zu schützen. Vor Feuer und Blitzschlag sollten auch am Agathentag geweihte Kerzen bewahren.
Hl. Apollonia, hier gemeinsam mit der
hl. Ottilie dargestellt - Bad Aussee,
Spitalskirche (© IMAREAL)
Die Hilfe der heilige Apollonia, deren Fest am 9. Februar begangen wird, hätten wir alle wohl schon gern in Anspruch genommen, gilt sie doch als Patronin bei Zahnschmerzen. Ihre Lebensgeschichte ist nur in Legendtexten fassbar. In den frühen Legenden zu ihrem Leben wird erzählt, dass sie als angesehene alte Frau in Alexandria lebte, bis sie bei einer Christenverfolgung aufgegriffen wurde. Ihr wurden die Zähne ausgeschlagen und die Kinnlade zertrümmert. Ihre Peiniger drohten ihr den Tod am Scheiterhaufen an, sollte sie nicht dem christlichen Glauben abschwören. Sie aber stürzte sich freiwillig in die Flammen. Spätere Legenden „korrigierten“ ihr Leben und schmückten es weiter aus. Aus der ägyptischen alten Frau wurde eine schöne römische Fürsten- oder Kaisertochter, die trotz zahlreicher Marter und Qualen ihrem Glauben treu blieb. Als schöne junge Frau haben sie auch die Künstler durch die Jahrhunderte dargestellt. Die Attribute, an denen Apollonia leicht zu erkennen ist, sind zumeist eine überdimensionierte Zange und ein oder mehrere Zähne.
Hl. Valentin - Laakirchen,
Pfarrkirche (© IMAREAL)
Noch komplexer gestaltet sich die Legende des letzten Heiligen des Monats Februar, den ich Ihnen hier vorstellen möchte. Sie kennen ihn alle als Patron der Liebenden: Ich spreche vom heiligen Valentin, dessen Fest wir am 14. Februar feiern - sehr zur Freude zahlreicher Geschäftszweige.
In der legendären Überlieferung vermengen sich die Geschichten zweier Personen miteinander: Da gab es einmal angeblich einen Priester Valentin von Rom, der Liebespaare trotz Verbot nach christlichem Ritus traute und sie mit Blumen beschenkte. Wegen der verbotenen Trauungen soll er am 14. Februar 269 hingerichtet worden sein. Dann gibt es noch Valentin von Terni (Umbrien), einen Bischof, der durch Krankenheilungen und seine Freigebigkeit zahlreiche Römer und Römerinnen zum christlichen Glauben bekehrte. Er erlitt 268 den Märtyrertod. Von ihm wird in der Legende berichtet, dass er eines Wintertages einem Armen seinen Mantel schenkte. Am selben Tag brachte ihm der Jüngling den Mantel mit den Worten zurück: „Hier ist das Kleidungsstück, mit dem du Christus selbst beschenkt hast. Als Lohn dafür sollst Du die Gabe haben, Gichtkranke und Fallsüchtige von ihrer Krankheit zu heilen.“
Das Mantel-Motiv kommt Ihnen sicher bekannt vor, wir kennen es auch aus der Lebensbeschreibung des heiligen Martin von Tours. Bei Valentin wird die Mantelspende allerdings mit der Gabe belohnt, Gichtkranke und Fallsüchtige - damit sind Epileptiker gemeint - zu heilen. So wird Valentin zu deren Patron. Und hier vermischt sich seine Legende mit dem Leben eines dritten Heiligen, mit dem des heiligen Valentin von Rätien, dessen Fest die Kirche am 7. Jänner im deutschsprachigen Gebiet begeht. Er war einer der ersten Bischöfe von Passau und wurde ebenso bei Epilepsie, Krämpfe und Gicht angerufen. Sehr oft können wir bei bildlichen Darstellungen des Heiligen nicht entscheiden, ob es sich jetzt um den Valentin von Rätien oder den von Terni handelt. Was ja eigentlich auch nebensächlich ist - Hauptsache, er hilft. 
Text: Prof. Dr. Elisabeth Vavra

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