Ausflüge mit Geschichte(n): Klausen, Triften, Aussichtspunkte: Klausen-Leopoldsdorf – St. Corona

Auf dem Weg nach Ranzenbach (© Elisabeth Vavra)


Heute führe ich Sie in den westlichen Wienerwald. Unser Ziel ist der Schöpfl, die höchste Erhebung mitten im dicht bewaldeten Flysch-Wienerwald gelegen. Früher war die Witterung hier durch kühle Sommer und niederschlagsreiche Winter geprägt. Da der dichte Lehmboden Regen oder Schmelzwasser nicht durchsickern lässt, sammelten sich die Wassermengen in den Bächen und Flüssen. Nicht ohne Grund gibt es im Wiental das große Rückhaltebecken, um Überschwemmungen durch den Wienfluss zu verhindern. Gleiches gilt für die Täler der Schwechat, der Triesting und der Piesting. So vernichtend die plötzlich hereinbrechenden Wassermassen auch sein konnten, sie konnten auch für die Energiegewinnung zum Betreiben von Mühlen und Sägewerken und für die Holztrift genutzt werden.
Von allen Himmelsrichtungen führen Wanderwege auf den Schöpfl. Ich möchte heute die Route von Klausen-Leopoldsdorf bzw. Schöpflgitter vorschlagen, da es auf diesem Weg vielerlei zu entdecken gibt.

Klausen-Leopoldsdorf – eine Gründung Kaiser Leopolds I.

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Blick auf Klausen-Leopoldsdorf (© Elisabeth Vavra)
Wir beginnen unseren Ausflug in Klausen-Leopoldsdorf, gleich hinter den Lärmschutzwänden der Außenring-Autobahn gelegen. Der Ort geht auf eine Gründung Kaiser Leopolds I. zurück, der hier ab 1670 die ersten Klausen (Holztriftanlagen) errichten ließ. Johann Stückhl, der damalige Waldmeister Österreichs unter der Enns, schlug 1663 der kaiserlichen Hofkammer vor, um ein notwendiges Kriegsdarlehen aufzubringen, die Holzschlägerungen im Wienerwald zu intensivieren. Erst nach seinem Tod wurde dieser Vorschlag aufgegriffen, verbessert und schließlich im Jänner 1667 der Auftrag erteilt, eine Klause hinter Alland und ein Rechenwerk in Baden zu errichten. Im April desselben Jahres wurde mit der Holzschlägerung für den Bau der Hauptklause begonnen. Für die Unterbringung der Holzknechte wurde eine Siedlung errichtet. Das Pestjahr 1679 raffte einen Großteil der Ortsbewohner dahin. Leopold I. holte nun Waldbauern aus Tirol, Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark. Nach dieser Neubesiedelungsphase bestand der Ort 1680 schon aus 32 Holzhütten. Bereits 1683 folgte die nächste Katastrophe: Osmanische Renner und Brenner verfolgten die flüchtenden Bewohner bis in die Wälder und metzelten diese auf der Waldwiese zwischen Groß-Krottenbach und Glashütten nieder. Diese Wiese wird seither Schlachtwiese genannt. Neben der ersten Sammelsiedlung Dörfl südlich der Schwechat entstand ab der Mitte des 18. Jahrhunderts am Zusammenfluss von Schwechat, Hainbach, Lammeraubach und Agsbach die Ansiedlung Leopoldsdorff in der Claußen.

Im 17. Jahrhundert gab es weder Schule noch Pfarre im Ort. Zum Gottesdienst gingen die BewohnerInnen entweder nach Alland oder Kleinmariazell. Bis 1754 mussten die Kinder die Schule in Alland besuchen. In diesem Jahr errichtete man dann ein Schulhaus neben der hölzernen Kapelle, die 1755 durch eine steinerne Kirche mit Holzturm ersetzt wurde. Klausen-Leopoldsdorf bekam einen eigenen Pfarrer zugewiesen, der in der Schule untergebracht wurde, da es noch keinen Pfarrhof gab. Der Unterricht fand im Gasthaus statt. Die dem hl. Leopold geweihte Kirche wurde 1767 zur Pfarre erhoben. 1780 erfolgte ein Um- und Erweiterungsbau der Kirche, der Pfarrhof wurde gebaut und die Schule wieder an ihren alten Platz zurückverlegt.
Von Klausen-Leopoldsdorf lohnt sich ein Abstecher in ein stilles, nahezu unerschlossenes Seitental, in dem ein Stück Zeitgeschichte verborgen ist.

Ranzenbach – Eine Plansiedlung im Wienerwald

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Haus Nr. 285 in Ranzenbach (© Elisabeth Vavra)
Ranzenbach, ein Ortsteil von Klausen-Leopoldsdorf ist bis heute durch keine öffentliche Straße erreichbar. Wir folgen der L 2111, die von Klausen-Leopoldsdorf nach Pressbaum führt, etwa 5 km weit, bis links eine Forststraße abzweigt mit dem Wegweiser zum Trakehnergestüt Gut Ranzenbach. Vor dem Beginn des Fahrverbots gibt es Parkmöglichkeiten. Man folgt zunächst der Schotterstraße; knapp vor dem Gut geht rechts die private Zufahrtsstraße über die Ranzenwiese zur Siedlung Ranzenbach ab.
Ranzenbach ist eine auf dem Reißbrett entworfene Versuchssiedlung, die in den späten 20er Jahren des 20. Jahrhunderts der Ansiedlung von Arbeitslosen diente. Das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft (Abteilung für Bodenreform) stellte rund 60 Hektar Grund für die Siedlung und die notwendigen Ackerflächen zur Verfügung. Die Fläche war zur Hälfte bewaldet, zur Hälfte Grasland. Die zehn Männer, die mit ihren Familien die Kolonie aufbauen sollten, erhielten vom Ministerium nicht nur Grund und Boden, sondern auch Maschinen, Baumaterial, Vieh und Sämereien. Geplant war zunächst ein Leben in Gemeinwirtschaft: Alles sollte gemeinsam produziert und genutzt werden. Zunächst ging es im Winter 1927/28 an die Errichtung eines Sägewerks, mit dem das notwendige Bauholz produziert wurde. Im gemeinsamen Stall standen 10 Kühe. Sie dienten als Zugtiere genauso wie als Milch- und Düngerproduzentinnen. 1928 entstanden die Häuser, als Blockbauten oder Ständerbauten (Hestia-Bauweise) errichtet. Zu jedem Anwesen gehörten ein Wohnhaus mit Stall und Scheune, eine Obstwiese, rund fünf Hektar Grund für den Ackerbau und gemeinsam genutzte Weideflächen. Alle Häuser besaßen – und besitzen – einen ähnlichen Aufbau: im unterkellerten Erdgeschoss liegt ein Zimmer und die Küche, darüber in der Mansarde ein Balkonzimmer und eine Kammer. Hinter dem Wohnhaus stehen hangaufwärts Stall und Scheune. Schon nach einem halben Jahr wurde die Idee der Gemeinwirtschaft aufgegeben. Jeder betrieb nun die Wirtschaft eigenverantwortlich, nur die Sommerweide und ein Paar Pferde blieben Gemeingut.

Ranzenbach Nr. 278 (© Elisabeth Vavra)1931 war die Kolonie mit ihren Häusern fertiggestellt und alle Familien eingezogen. Der von Josef Stolitzka in der Zeitschrift Unsere Heimat 1930 geäußerte Wunsch – Möge den Arbeitsmännern die junge Siedlung zu einer glückbringenden zweiten Heimat werden – ging nur zum Teil in Erfüllung. Für viele war die Umstellung vom Fabrikarbeiter zum Bauern zu groß. Dazu kam noch die einschichtige Lage der Siedlung. Die, die nicht ausharren wollten, erhielten vom Ministerium für die geleistete Arbeit als Entschädigung einen Betrag von 500.- Schilling. Die leer stehenden Häuser wurden Dienstwohnungen für Waldarbeiter. 1960 wurden die Häuser an das Stromnetz angeschlossen. Mit dem Erreichen des Pensionsalters mussten die Waldarbeiter ausziehen. Die letzten ursprünglichen BewohnerInnen verließen in den 1980er Jahren die Kolonie. Die Bundesforste versteigerten in der Folge acht der zehn Häuser. Heute dienen die meisten Häuser als Zweitwohnsitz. Acht Gebäude stehen unter Denkmalschutz.
 

Die Triftanlagen rund um Klausen-Leopoldsdorf

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Die Hauptklause östlich von Klausen-Leopoldsdorf (© Elisabeth Vavra)
Nach diesem Abstecher fassen wir wieder unser eigentliches Ziel ins Auge. Wir fahren oder gehen von Klausen-Leopoldsdorf nach Schöpflgitter. In Schöpflgitter nehmen wir aber nicht den üblichen Aufstieg (über die sog. Schöpflstraße der Bundesforste – Hinterschöpfl – Dr.-.F.- Hinrichs-Weg), sondern gehen zunächst die L 127 entlang Richtung St. Corona am Schöpfl. Denn auf unserem Weg wollen wir auch den Triftanlagen und dem Holztrift- und Forstmuseum einen Besuch abstatten.
Das weitläufige Quellgebiet der Schwechat war ein geschlossenes, nahezu unbewohntes Waldgebiet, dessen Aufschließung und Ausbeutung unter Kaiser Leopold I. einsetzte. Das im Winter geschlägerte Holz wurde mit Fuhrwerken oder Schlitten zu den Klausen gebracht und dann mit dem aufgestauten Schmelzwasser im Frühjahr über das Klausen-System zur Schwechat gebracht. Bei Baden fing ein großer Holzrechen die Prügel auf. Das Holz wurde auf Kähnen verladen und über den Wiener Neustädter Kanal nach Wien verschifft. Auf diese Weise wurden etwa im Jahr 1720 100.000 Raumfestmeter Holz auf der Schwechat und ihren Zuflüssen getriftet. Diese Menge deckte den Bedarf von 10.000 Haushalten.

Die ersten Klausen waren einfache, mit Holz verstärkte Dämme, hinter denen das Wasser aufgestaut wurde. Durch Öffnen des Holztors wurde das Wasser abgelassen und riss die Holzprügel mit sich. Das System der Triftanlage an der Schwechat bestand aus 13 Klausen an den Zubringerbächen. Das Herzstück war die Hauptklause zwischen Klausen-Leopoldsdorf und Alland. 1756 wurde die Hauptklause neu errichtet. Der Staudamm erreichte eine Höhe von rund 6 Metern. Das Rückhaltebecken konnte 82.000 m³ Wasser fassen. Für die Überwachung der Trift und die Betätigung der beiden Schleusentore sorgten Schleusenwärter, die ihre Arbeit in den beiden Schleusenwärterhäuschen verrichteten. Insgesamt waren an die 300 Holz- und Schwemmknechte an einer solchen Trift beteiligt. Die letzte Trift fand 1939 statt. Dann geriet die Anlage in Vergessenheit. Ab 2006 begann man mit der Instandsetzung der Klausen. Von den 13 gemauerten Nebenklausen sind noch vier erhalten und stehen heute so wie die Hauptklause unter Denkmalschutz (Gasirückenklause, Lengbachklause, Riesenbachklause und Salygrabenklause bzw. Schöpfelklause). Um ihre Erhaltung kümmern sich heute die Gemeinde Klausen-Leopoldsdorf und der Dorferneuerungsverein.
Nach etwa 2,7 km auf der L 127 zweigt rechts die Forststraße in den Salygraben ab (Fahrverbot!, wenn man Glück hat, findet man hier auch einen Parkplatz). Auf ihr erreichen wir nach etwa 20 Minuten das Holztrift- und Forstmuseum Schöpflklause. (Bitte nicht Google-Map vertrauen: Der dort eingetragene Standort des Museums ist an der falschen Stelle eingetragen.)

Das Holztriftmuseum

(https://www.holztriftmuseum.at/)

Das Holztrift- und Forstmuseum Schöpflklause wurde 2005 vom Dorferneuerungsverein Klausen-Leopoldsdorf eingerichtet und wird seither von dem Verein ehrenamtlich betreut. Geöffnet ist es jeweils am 2. Sonntag in den Monaten April bis Oktober von 14:00 bis 16:00. Heuer ist aufgrund der Corona-Pandemie der erste Öffnungstag erst der 14. Juni. Modelle, Exponate, Dokumente und historische Bilder erklären die Waldnutzung des Wienerwaldes seit Kaiser Leopold I. Historische Filme zeigen die Holztrift in der Vergangenheit. Neben dem Museum liegt die 1742 errichtete Schöpfl(Saly)klause, die 2010 renoviert wurde. Heute dienen die Klausen bei Starkregen mit ihren Rückhaltebecken wieder als Hochwasserschutz. Da der Bereich der Schöpflklause nur einmal im Jahr gemäht wird, entfaltet sich auf den Wiesen die volle Pracht der Wildblumen. 

Nach einem Besuch des Museums und einer Besichtigung der Klause folgen wir der Forststraße weiter durch den Salygraben bergwärts Richtung Mitterschöpfl. Nach etwa einer Stunde erreichen wir eine Weggabelung: rechts führt der Weg direkt zur Schöpfl-Warte und zum Schöpfl-Schutzhaus. Links führt eine Forststraße zum Leopold-Figl-Observatorium.

Das Leopold-Figl-Observatorium auf dem Mitterschöpfl

Das Leopold Figl-Observatorium auf dem Mitterschöpfl (882 m) verdankt sein Entstehen dem 600-Jahr Jubiläum der Universität Wien im Jahr 1965. Das Land Niederösterreich und der Bund taten sich für dieses großzügige Geschenk zusammen: Der Bund finanzierte das Teleskop und die Einrichtung, das Land Niederösterreich stellte das Grundstück zur Verfügung und die Geldmittel für den Bau. Der Platz am Mitterschöpfl verfügt über ideale Bedingungen: saubere Luft, geringe Lichtverschmutzung und häufig klare, trockene Nächte. Nach der Grundsteinlegung am 13. September 1966 konnte das Observatorium bereits am 25. September 1969 seiner Bestimmung übergeben werden. Landeshauptmann Leopold Figl, der gemeinsam mit dem damaligen Bundesminister Theodor Piffl-Percevic das Projekt initiierte, war es nicht mehr vergönnt die Grundsteinlegung zu erleben.
Bis heute besitzt das Observatorium das größte optische Spiegelteleskop Österreichs. Im Dezember 1970 konnte das Mehrzweck-Teleskop mit einem Hauptspiegeldurchmesser von 152 cm und 12,5 m Brennweite in Betrieb genommen werden. Heute verfügt es über eine moderne Teleskopsteuerung, die einen Betrieb von Wien aus ermöglicht. Seit 1979 gibt es im Observatorium ein zweites kleineres Teleskop: Das Teleskop – mit 60 cm Hauptspiegeldurchmesser und 5 m Brennweite – wurde am Institut für Astrophysik entwickelt und in der Institutswerkstätte gebaut. Gesteuert wurde es seit Inbetriebnahme durch eine Teleskopsteuerung, die am Institut entwickelt wurde. Heute dient das Observatorium in erster Linie der Beobachtung von „transienten“ Objekten – das sind Sterne oder Kometen, die ihre Helligkeit verändern.
Eine Besichtigung des Observatoriums ist nur einmal im Jahr - am „Tag der offenen Tür“ – möglich. Für größere Gruppen und Schulklassen kann man Sonderführungen vereinbaren. Nächtliche Beobachtungen sind grundsätzlich nicht möglich. Näheres dazu erfahren Sie über die Homepage des Instituts für Astrophysik (https://foa.univie.ac.at/aktuelles/).

Zum höchsten Gipfel des Wienerwaldes

Wir gehen jetzt wieder ein kurzes Stück die Forststraße, die uns zum Leopold-Figl-Observatorium geführt hat, zurück bis zur Abzweigung der blauen Markierung, die von St. Corona hinauf auf den Schöpfl führt. Wir folgen dieser und kommen zunächst zur Franz-Eduard-Matras-Warte. Sie steht auf dem 893 m hohen Hauptgipfel des Schöpfls und ist mit ihren 17 Metern das höchstgelegene Bauwerk im Wienerwald. Ihr Vorgängerbau wurde bereits 1865 durch das k. k. Forstamt errichtet. Um ihre Erhaltung kümmerte sich in der Folge der Österreichische Touristenklub. Die schöne Aussicht von diesem höchsten Punkt des Wienerwaldes, die sogar Eingang in das Kronprinzenwerk fand, lockte zahlreiche BesucherInnen an. Die Sektion Wienerwald des Österreichischen Touristenklubs entschloss sich daher 1897 zu einem Neubau. Ein Jahr später wurde die Warte eröffnet und anlässlich des gleichzeitigen Regierungsjubiläums in „Kaiser Franz Joseph Warte“ umbenannt. 1932 erhielt sie den heutigen Namen, der an Franz Eduard Matras, den ersten Präsidenten des Österreichischen Touristenklubs erinnert. Erklimmt man die 104 Stufen der Eisenkonstruktion, so kann man einen unvergesslichen Rundblick genießen: Von den Wiener Hausbergen – Rax und Schneeberg – im Süden, den Gutensteiner und Türnitzer Alpen sowie den Ötscher im Westen schweift der Blick über die niedrigen Gipfeln des Wienerwaldes im Osten bis zur Donau und den Hügel des Wein- und Waldviertels. An besonders klaren Tagen erahnt man in der Ferne die Karpaten, den Hochschwab und sogar des Tote Gebirge. Zu Füßen der Warte erhebt sich eine steinerne Pyramide mit der Jahreszahl 1867; sie bezeichnet einen trigonometrischen Vermessungspunkt.  

Nur wenige Minuten von der Warte entfernt steht das Schöpfl-Schutzhaus, eine Schutzhütte des Österreichischen Touristenklubs. Das erste Schutzhaus wurde am 12. August 1906 eingeweiht und 1911 erweitert. Im November 1920 brannte das hölzerne Schutzhaus nieder. Der aus Stein errichtete Nachfolgebau wurde am 16. September 1923 eröffnet. In den letzten Kriegstagen zerstörte ihn Artilleriebeschuss. 1949 folgte ein aus Barackenteilen zusammengefügter Neubau, der 1997/98 durch den heutigen Bau ersetzt wurde. Mit Ausnahme von Montag wird hier nun wieder für Stärkung der Wanderer gesorgt.
Für den Rückweg gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann wieder Richtung Schöpflgitter absteigen (Dr.-.F.- Hinrichs-Weg – Hinterschöpfl ¬– Schöpflstraße). Es lohnt sich aber den Weg nach St. Corona am Schöpfl zu nehmen und so dem kleinen Wallfahrtsort einen Besuch abzustatten. Von dort gibt es die Möglichkeit auf der Fahrstraße nach Schöpflgitter zu gehen, etwa 7 km weit. Auf dieser Strecke kommt man dann auch bei der restaurierten Riesenbachklause vorbei. Wenn man über mehr Kondition verfügt, kann man auch eine große Runde gehen und über den Hirschenstein, den Großen Hollerberg und die Eigerin nach Schöpflgitter absteigen (siehe den Link zum Tourenvorschlag). Neben Kondition ist auf diesem Weg auch etwas Orientierungssinn gefragt, da der Weg nicht eindeutig markiert ist.

Zum heyl Prun oder S. Corona genand …

Corona ist derzeit in aller Munde. Die Corona-Pandemie hat eine Märtyrerin des frühen Christentums wieder in den Blickpunkt des Interesses gerückt: Die katholische Kirche feiert am 14. Mai, die orthodoxe am 11. November ihren Gedenktag. Das Geburtsdatum der heiligen Corona ist umstritten: mal wird 161 genannt, mal 287. Dementsprechend variiert auch ihr Todesjahr zwischen 177 und 303. Ebenso unsicher ist der Ort ihres Martyriums; die Quellen nennen Damaskus in Syrien, Antiochia – das heutige Antakya (Türkei), Alexandria in Ägypten, Sizilien oder Marseille. Wie ihr Gemahl Victor erlitt sie im Alter von erst 16 Jahren den Martertod: Gebunden an zwei heruntergezogenen Palmen wurde sie bei deren  Emporschnellen zerrissen.
 


Seit dem 6. Jahrhundert wurde die Heilige in Nord- und Mittelitalien verehrt. In Feltre (Provinz Belluno) errichtete man für sie und ihrem Gemahl Victor ab 1096 eine Basilika. Von seiner Reise zur Krönung Kaiser Ottos I. in Rom brachte Erzbischof Adaldag 965 Reliquien der beiden Heiligen nach Bremen. Kaiser Otto III. holte Reliquien in das Münster zu Aachen. Naturwissenschaftliche Untersuchungen der Reliquien in Feltre, 1943 und 1981 durchgeführt, bestätigten die Herkunft der sterblichen Überreste von einem Mann und einer Frau. Pflanzenpollen erlauben eine Datierung in das 2. Jahrhundert und eine geographische Bestimmung in den Mittelmeerraum. Die heilige Corona wird u. a. als Patronin der Schatzgräber und Metzger verehrt und bei Seuchen und Unwetter angerufen.
Für unsere Region ist ihre Verehrung seit dem 14. Jahrhundert belegt. Noch bevor hier in St. Corona die ersten Hütten für Holzknechte entstanden, pilgerten die Menschen aus der Umgebung hierher, um die Heilkraft einer Quelle zu nützen. Bald wurde in der Nähe der Quelle eine hölzerne Kapelle errichtet. Auf Betreiben des Abtes von Mariazell in Österreich (Klein-Mariazell) weihte 1444 der Passauer Weihbischof Johannes Vitricensis einen Altar zu Ehren der heiligen Corona und der heiligen Anna. Beide Heilige genossen im Benediktinerorden besondere Verehrung.   

1529 zerstörten die Osmanen die kleine Kapelle. 200 Jahre blieb sie Ruine, die heilsame Kraft der Quelle geriet allerdings nicht in Vergessenheit. Zwischen 1674 und 1678 fand eine Bestandsaufnahme der Region statt, da man die kaiserlichen Wälder besser nutzen wollte. Im Zuge dessen stieß man auch auf die Reste der Kapelle. Kaiser Leopold I. ordnete deren Wiederaufbau an. 1682 reichte das Waldamt in Purkersdorf Vorschläge für den Ausbau der Gegend ein: Sie umfassten die Errichtung einer Mahl- und Sägemühle in Klausen-Leopoldsdorf, den Bau der Kapelle und eines Wirtshauses als Unterkunft für Wallfahrer. Noch im selben Jahr bewilligte die Hofkammer den Plan. Untertanen des Benediktinerklosters Mariazell in Österreich sollten Robot leisten. Der nächste Osmaneneinfall 1683 setzte dem Vorhaben ein jähes Ende. Mit ihm entstand aber auch eine Legende, die den Bekanntheitsgrad des Ortes in Zukunft steigern sollte: Ein Priester des Benediktinerklosters barg eine silberne Monstranz mit dem Allerheiligsten im Brunnen, um diese so vor dem Zugriff der anstürmenden Akindschis zu schützen. Als die osmanischen Reiter zum Brunnen kamen, beugten die Pferde ihre Vorderbeine.
Nach dem Osmaneneinfall begann man mit der Errichtung der ersten Klausen für die Holztrift auf der Schwechat. Im Frühjahr 1695 sollte mit den ersten Probeschwemmungen begonnen werden. Der Bau von Unterkünften – den sog. Duckhüten – für die notwendigen Arbeitskräfte war nötig. Damit begann die Besiedlung des Gebietes um St. Corona. Für die geistliche Betreuung war das Benediktinerkloster Mariazell in Österreich zuständig. So vermerken die Matriken des Klosters ab dem Jahr 1696 Taufen von Kindern auf der Clauß bey St. Corona. 1699 war das Wirtshaus fertiggestellt. Im selben Jahr begann man auch mit dem Bau einer neuen wiederum nur hölzernen Kapelle. 1702 war die Innenausstattung vollendet. Allerdings verzögerte sich die notwendige Weihe. Schließlich wurde der Bau 1719 abgerissen und auf seinen Fundamenten die heutige Kirche errichtet. Am 16. Mai 1722 wurde die erste Messe gefeiert. In der Folge wurde St. Corona 1724 zur Pfarre erhoben und im selben Jahr der Pfarrhof neben der Kirche errichtet. Die Pfarre war bis zur Aufhebung desselben dem Kloster Mariazell in Österreich inkorporiert. Die Mönche übersiedelten in das Stift Melk, in dessen Zuständigkeit nun die Pfarre fiel. Seit 1810 versahen Weltpriester das Amt des Pfarrers.
Die Ausstattung der Kirche stammt in vielen Teilen noch aus der Erbauungszeit. Allerdings wurde ihr Aussehen durch eine durchgreifende Renovierung 1864/65 grundlegend verändert. Die ursprünglichen Altaraufbauten gingen verloren. Erhalten blieben nur die beiden Altarblätter, die an den Seitenwänden aufgehängt wurden. Für die Seitenaltäre schufen Johann und Leopold Till – beide Schüler von Leopold Kupelwieser – die Bilder. Sie zeigen die Heiligen Corona und Vinzenz. Das Äußere der Kirche wurde in neoromanischen Stil umgestaltet. Derzeit bringt die Corona-Pandemie wieder mehr PilgerInnen nach St. Corona.

Text: Prof.in Dr.in Elisabeth Vavra

Literatur:
Thomas Aigner, Zum heyligen Prun oder S. Corona genand, Altenmarkt 1994.
Gabriel Bodi, Die Schwechattrift: 270 Jahre Brennholztransport um Klausen-Leopoldsdorf und zukünftige Nutzungsmöglichkeiten der Klausanlagen, Dipl.Arbeit Wien 1993.
Axel Hubmann, Klausen-Leopoldsdorf und die Triftanlagen in der Schwechat, in: Der Wienerwald (Denkmalpflege in Niederösterreich 22), St. Pölten 1999, S. 47-48.
Josef Stolitzka, Ranzenbach, eine neu entstandene Ortschaft im Wienerwalde, in: Unsere Heimat NF 3 (1930), S. 145-147.

Tourenvorschläge:
Peter Hiess – Helmuth A.W. Singern, Wienerwald (Dumont Richtig Wandern), Köln 1995, S. 196-199.
Fritz Peterka, Wien – Wienerwald (Rother Wanderführer), München 2016, S. 80-81.
Johanna Stöckl – Rosemarie Pexa, Genusstouren im Wienerwald und in den Wiener Alpen (Rother Wanderbuch), München 2017, S. 92-95.
Schöpfl über Riesenbachklause:
https://www.bergfex.at/sommer/niederoesterreich/touren/wanderung/163474,schoepfl-ueber-riesenbachklause-leopold-figl-observatorium-und-schoepflklause-15122017/
Schöpfl – Riesenbachrunde – Rückweg über großen Hollerberg:
https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/wienerwald/riesenbachrunde-vom-schoepfl-893m-zum-grossen-hollerberg-774m-/35710187/
Für den Abstieg vom Schöpfl nach St. Corona:
https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/wienerwald/von-sankt-corona-auf-den-schoepfl/119005171/

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