Europäischer Laubfrosch

© NÖ Museum Betriebs GmbH, Fotos: Theo Kust, Monika Schaar

Allgemeines zum Laubfrosch

Dieser kleine Baumfrosch (arborea =“vom Baume“) wird zumeist zwischen 30mm und 45mm (Kopf-Rumpf-Länge) groß. Oberseits sind die Tiere meistens hellgrün mit einem dunkeln Flankenstreif, der sich vom Nasenloch bis in die Hüftregion zieht und dort eine Hüftschlinge bildet. Wie bei allen heimischen Froscharten ist seine Haut glatt und drüsenreich. Die näheren Verwandten des Europäischen Laubfrosches (Hyla arborea) kommen in den Tropen vor.

Kleiner Frosch mit lauter Stimme

Unter den heimischen Amphibien sind die Laubfrösche die lautesten Rufer. In warmen Nächten meist von April bis Juni bilden sich richtige Laubfrosch-Chöre. Mit Hilfe der kehlständigen Schallblase werden die Rufe, die mittels Kehlkopf und Stimmbändern erzeugt werden, noch verstärkt. Gerade deshalb erfreut sich der kleine Frosch nicht immer großer Beliebtheit.

„Damenwahl“ oder doch nicht?

Laubfroschkonzerte sind laut und nicht zu überhören. Für die Froschmännchen ist es an der Zeit ein passendes Weibchen zu finden. Je lauter und niederfrequenter ein Männchen ruft, umso größer und fitter ist es und hat somit auch bessere Chancen beim weiblichen Geschlecht. Das Rufen der Männchen ist jedoch aufwendig und trägt auch zu einem Gewichtsverlust der Tiere bei. Doch nicht immer gewinnen die laut rufenden Männchen die beste Partnerin. Eine weitere Strategie um sich zu verpaaren nutzen manche Laubfroschmännchen aus. Die nicht rufenden sogenannten Satellitenmännchen warten in der Nähe eines rufenden Rivalen bis ein Weibchen sich diesem nähert. Sie stehlen ihrem Konkurrenten die potentielle Partnerin und erschleichen sich somit die Paarung. Diese Strategie ist ebenso bei Vögeln und anderen Tiergruppen bekannt.

Haben sich Männchen und Weibchen gefunden, so paaren sich diese in einer Stellung, die man Amplexus nennt. Hierbei umklammert das meist kleinere Männchen das Weibchen in der Achselgegend. In Mitteleuropa findet die Fortpflanzungsperiode meist von Mitte April bis Mitte Juni statt. Das Weibchen produziert zwischen 200 und 2000 Eier, die in Form von walnussgroßen Laichklumpen portionsweise ins Wasser abgelegt werden. Die Larven schlüpfen bereits nach wenigen Tagen und je nach Wassertemperatur findet die Metamorphose der Kaulquappe zum jungen Laubfrosch nach ca. 50 bis 78 Tagen statt.

KletterfähigkeitLaubfrosch_kletternd

Die Fähigkeit so gut zu klettern hat der Laubfrosch durch seine Haftscheiben auf den Zehenspitzen der Vorder- und Hinterbeine. Seine „klebrige“ Bauchhaut ermöglicht es ihm zusätzlich, an senkrechten Stellen haften zu bleiben.

Kein Wetterfrosch

Früher wurde der Laubfrosch oft als Wetterfrosch in einem kleinen Glas gehalten. Ausgestattet mit einer Leiter im Glas sprach man ihm die Fähigkeit zu, bei kommendem Schönwetter nach oben zu klettern und bei Schlechtwetter wieder nach unten. Dieser Irrglaube beruht wahrscheinlich darauf, dass Laubfrösche an sich gerne klettern. Sie nutzen ihre Kletterfähigkeit um sich zu sonnen und Insekten zu jagen, die bei schönerem Wetter höher fliegen als bei Schlechtwetter. Ob die Frösche den Insekten aber aktiv folgen, ist nicht eindeutig geklärt. Außerdem ist der Laubfrosch in dem kleinen Gurkenglas vermutlich aufgrund der schlechten Luft nach oben geklettert. Jedenfalls das Wetter vorhersagen kann dieser Vieleskönner jedenfalls nicht!

Farbwechsel

Bei Laubfröschen kann es zu einer hormonell bedingten Umfärbung der Haut kommen. Neben den typischen grünen Exemplaren, reicht die Bandbreite von dunkelgrün, über grau oder braun, in seltenen Fällen können auch gelbe oder blaue Exemplare auftreten, denen es jedoch an bestimmten Pigmentzellen fehlt. Warum die Tiere sich verfärben ist nicht genau bekannt, jedenfalls passen sie sich nicht der Farbe des Untergrundes an. Auch die Beschaffenheit des Untergrundes, Ernährungszustand, Feuchtigkeit der Umgebung und Wärme sowie Wohlbefinden werden als Gründe für bestimmte Farbvarianten vermutet.

Lebensraum

Wie alle Amphibien nutzt auch der Laubfrosch je nach Jahreszeit unterschiedliche Teillebensräume. Als passende Fortpflanzungsgewässer eignen sich vor allem vegetationsreiche, sonnige und fischfreier Gewässer. Außerhalb der Reproduktionsperiode benötigen Laubfrösche gut strukturiertes Umland, wo sie genügend Vegetation vorfinden, die sie gerne als Sitzwarten nutzen. Geeignete Überwinterungsplätze sind frostfreie Verstecke an Land.

Gefährdung der Amphibien

Wie alle anderen heimischen Amphibienarten ist auch der Laubfrosch von zunehmender Lebensraumzerschneidung, wie zum Beispiel Straßenbau betroffen. Viele Laichgewässer sind stark beeinträchtigt und liegen oft weit voneinander entfernt, was zu einer Isolation der einzelnen Vorkommen führt. Oft sind Laubfrösche in Gartensiedlungen aufgrund der Lautstärke nicht erwünscht. Auch Katzen in Parks oder Gärten stellen ein Problem für diese Tiere dar.

Neben größeren Schutzbestrebungen können auch individuelle Maßnahmen helfen, den Rückgang dieser europaweit nach der FFH-Richtlinie (Anhang IV) und „streng geschützten“ prioritären Art zu verhindern und geeignete Lebensräume zu sichern. Erhaltung von Laichgewässern, Bepflanzung von Röhricht im Uferbereich, selteneres Mähen -erhöht das Nahrungsangebot der Tiere-, keine Insektizidverwendung, Pflanzung von Sträuchern, Bäumen und Stauden in unmittelbarer Umgebung eines potentiellen Laichgewässers und das Verzichten auf Fischbesatz können sich sehr förderlich auf diese Art auswirken.

 

Text: Mag. Katharina Stefan
Fotos: Titelbild, Theo Kust / kletternder Frosch, Monika Schaar

 

Mein Besuch

0 Einträge Eintrag

Voraussichtliche Besuchszeit

Liste senden