Die Handspindel

© NÖ Museum Betriebs GmbH, Foto: Thinkstock

Die Handspindel ist eines der einfachsten Werkzeuge zum Verspinnen von Fasern. Sie besteht seit Jahrtausenden aus zwei Teilen: einem Spindelschaft (der lange Stab) und einem Spinnwirtel als Schwungkörper (hier: die runde Holzscheibe). Erhalten sind Spinnwirtel aus Stein, aus gebranntem Ton, aus Tierknochen und aus Glas, während der Spindelschaft meist aus Holz war und daher im Laufe der Jahrhunderte zu Staub zerfiel.

Der Spinnwirtel muss fest auf dem Spindelschaft sitzen, weshalb dieser genau passend geschnitzt wurde. Ob der Spinnwirtel am unteren Ende des Schaftes angebracht ist wie bei unserem Beispiel oder an seinem oberen Ende, ist für die Funktion der Spindel unwichtig. Es gibt auch Spindeln, bei denen er genau in der Mitte sitzt. Bei unserer Spindel ist der Spinnwirtel am Rand dicker als in der Mitte. So liegt seine größte Schwungmasse außen, was eine anhaltende und ruhige Drehung der Spindel bewirkt.

An jeder Spindel ist ein Anfangsfaden befestigt – in unserem Fall ist er blau. An diesen werden am Anfang des Spinnens einige Wollfasern angelegt und durch Drehen der Spindel mit diesem verbunden.
Spindeln können am Boden stehen, in der Hand gehalten und gedreht werden oder wie unsere frei am Faden hängen. In diesem Fall hält eine Hand den Wollvorrat, während die zweite Hand immer abwechselnd die Spindel dreht – klassischerweise im Uhrzeigersinn – oder eine kleine Portion Wolle herauszupft. Durch den beim Drehen entstehenden Drall werden diese Fasern zusammengepresst und bilden sofort einen einfachen Faden. Der Drall macht also aus Fasern einen Faden.

Durch das Zupfen wird der Faden immer länger, die Spindel wandert während des Spinnens zum Boden. Ist sie dort angekommen, wird der Knoten am oberen Spindelschaftende gelöst und der Faden möglichst dicht am Spinnwirtel aufgewickelt. Dann wird er wieder oben mit dem einfachen Knopflochstich oder halben Schlag befestigt, die Spindel angeschwungen und weitere Wolle aus dem Vorrat herausgezupft, der Vorgang beginnt von vorn. Wegen des Wanderns zum Boden (und nicht, weil sie bei Anfängern häufiger herunterfällt, wenn der Faden nicht hält!), heißt diese Form der Spindel Fallspindel.

Um die Fasern vor Abrieb zu schützen, verzwirnt man fürs Stricken und Häkeln zwei oder mehrere Fäden entgegen dem Uhrzeigersinn miteinander. Zum Weben und zum Knüpfen von Teppichen kann dagegen der einfache Faden verwendet werden. Beim Weben schützt ihn die Kette vor Abrieb, beim Knüpfen steht man ohnehin auf der Schnittläche des abgeschnittenen Fadens.

Handspindel aus Buchenholz
Gedrechselt von Johann Frey, Langenlois, etwa 2014
Leihgabe von Dr. Ulrike Müller-Kaspar, Die Spindel, Langenlois, www.spindel.at

TIPP

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